
Außerdem mußte er zu Geld kommen. Er spielte. Diese Leidenschaft hatte er zwar unter Kontrolle, aber er hatte noch ein schlimmeres Laster - er liebte die Macht und schöne Dinge. Es reichte ihm nicht, Anwalt in Buenos Aires zu sein. 28 Jahre lang war er ein gehorsamer Sohn gewesen, jetzt wollte er die Dinge auf seine Art in die Hand nehmen. Seine Schwester würde diesen Grand Slam gewinnen, und wenn sie beide dabei draufgingen. Miguel wollte den Sieg. Als ihr neuer Geschäftsmanager würde er endlich Erfolg haben. Die Tatsache, daß Carmen keine Ahnung davon hatte, daß er ihr Geschäftsmanager war, störte ihn nicht. Das würde er mit der Zeit schon hinkriegen.
Seite an Seite, von hinten betrachtet, sahen Miguel und Carmen wie Brüder aus, so sehr ähnelten sich ihre Körper. Nur wenn sie sich umdrehten, konnte man erkennen, daß der größere männlich, der kleinere weiblich war. Beide hatten sie lockiges schwarzes Haar, Hakennasen und taubengraue Augen geerbt. Ein reizender, leicht gewölbter Mund gab strahlendweiße Zähne frei. Wie alle Semanas hatten sie wunderschöne Hände. Diese Eigenschaften machten Miguel zum Wunschbild eines Mannes. Carmen allerdings lag geradewegs zwischen Mann und Frau. Eine großzügige Seele hätte sie androgyn genannt. Als Kind hatte man Carmen verspottet. Tennis rettete sie.
