Es war, als lebten Bruder und Schwester in einer sehr eleganten Kriegszone, zwei Solda­ten mit unterschiedlichem Hintergrund an derselben Front. In ihrem Fall lag die Unterschiedlichkeit im Geschlecht statt in der sozialen Herkunft oder Geographie. Und wenn auch keines der Geschwister ins Herz oder in den Kopf des anderen sehen konnte, verließen sie sich doch aufeinander und liebten sich. Das war ihre Stärke und auch ihr Unglück.

Das Klingeln des Telefons unterbrach das Abendessen. Harriet stand von ihren Spaghetti mit Pestosauce auf und hob ab.

«Frohe Weihnachten, Harriet.» Jane Fultons kehlige Stimme klang durch die Leitung. «Was macht das Besuchsprogramm?»

«Es braucht seine Zeit.»

«Das hat meine Mutter über das Wachstum meiner Brüste auch gesagt, als ich dreizehn war. Und sieh mich heute an.»

Janes Stimme wurde von Ricky im Hintergrund übertönt: «Mehr als eine Handvoll ist überflüssig. Frohe Weihnachten und gute Nacht euch allen.»

Harriet lächelte. «Ricky hört sich ganz aufgekratzt an.»

Carmen rief vom Tisch rüber: «Frohe Weihnachten!»

Miguel fiel ein. «Glückliches neues Jahr!» Er sprach mit englischem Akzent wie seine Schwester.

Carmen klärte ihn über Rickys Vorliebe für Eierpunsch auf. Miguel hatte Ricky Cooper noch nicht kennengelernt, aber jeder, der ab und zu gern einen über den Durst trank, schien seine Sorte Mann zu sein.

«Macht ihr beide die Berichterstattung bei den Tomahawk­Meisterschaften?« fragte Harriet. Tomahawk, der Kosmetik­zweig von Clark und Clark, einer riesigen pharmazeutischen Firma, sponsorte das Hallentennis der Damen. Ihr Motto war «Erschlag deinen Mann». Die Ballmädchen trugen Federn und Kriegsbemalung, und dieses Motto wurde dem Publikum durch Spruchbänder, Anzeigen und die Verpackung der Produkte eingehämmert.

«Wir kommen. Wohnt ihr am selben Ort?»

«Ja, wir alle drei.»



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