«Gut, wir laden euch zum Essen ein. Wir wollen Miguel kennenlernen. Sieht er so gut aus wie sein Foto?»

«Er sieht ziemlich gut aus.» Harriet lachte, als Miguel sich effektvoll über den Schnurrbart strich. «Sie haben uns alle zum Essen in Washington eingeladen.»

«Spitze.» Miguel strahlte.

«Können's kaum erwarten, Jane. Küsse an Ricky. Frohe, frohe Weihnachten.»

Ricky Cooper und Jane Fulton waren ein gut zusammenpas­sendes Paar; sie Reporterin beimPhiladelphia Inquirer und Ricky Sportberichterstatter bei derNew York Times, Er moderierte auch die Direktübertragung des neuen Kabelsportprogramms. Als sie heirateten, ließen sie sich - statt eine Karriere der anderen zu opfern - vernünftigerweise in Princeton, New Jersey, nieder, auf halber Strecke zwischen beiden Städten. Ricky war in den Vierzigern und Jane Ende Dreißig. Dem Alter nach Harriet näher, standen sie ihr auch als Freunde näher, aber sie bewun­derten Carmen, die in den Tag hineinlebte und nie an morgen dachte. Für auf Arbeitsmoral fixierte Protestanten war das ein unglaublicher Gedanke.


«Du schlägst Vorhand-Cross und ich Cross zurück.»

«Okay.» Carmen trottete wieder zur Grundlinie.

Miguel, Rechtshänder, schlug hart auf die Vorhandseite sei­ner Schwester. Da sie Linkshänderin war, kam der Ball als Rückhand.

«Zu seicht. Los doch, Trantüte, treib mich zurück.»

«Es ist Heiligabend. Gönn mir eine Pause.»

Er prügelte den Ball härter und sang dabei ein Weihnachts­lied. Gleich fiel sie in sein Lied ein, und die beiden begleiteten ihren Ballwechsel mit englischen und spanischen Texten.

«Weißt du schon, was du unterm Weihnachtsbaum finden wirst, Migueletta?» Er nannte sie bei ihrem alten Spitznamen.

«Sag's nicht. Es soll eine Überraschung sein. He, unfair. Ich habe das Tempo gedrosselt, um zu reden.»

«Das ist dein Problem. Wenn du den Ball nicht im Auge behältst, was kann ich dafür?»



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