Es waren kaum Leute ausgestiegen, auf der Rolltreppe standen insgesamt nur vier Menschen. Zuoberst der Junge, dann eine Frau mit Kind, schließlich ich und hinter mir ein zerknitterter älterer Oberst. Die Aura des Offiziers war sehr schön, strahlte hell und setzte sich aus funkelnden stahlgrauen und hellblauen Tönen zusammen. Amüsiert und müde dachte ich bei mir, dass ich ihn ja zu Hilfe rufen könnte. Männer wie er glauben noch heute an den Begriff der Offiziersehre.

Nur, dass mir der alte Oberst weniger nutzen würde als eine Fliegenklatsche bei der Elefantenjagd.

Ohne weiter über solchen Unsinn nachzudenken, richtete ich den Blick wieder auf den Jungen. Mit geschlossenen Augen scannte ich seine Aura.

Das Ergebnis war entmutigend.

Ein schillerndes, halb durchsichtiges Leuchten hüllte ihn ein. Ab und an färbte es sich rot, dann ging es wieder in tiefes Grün über, um schließlich als dunkelblaues Licht aufzulodern.

Ein seltener Fall. Ein Schicksal, das noch nicht besiegelt war. Ein diffuses Potenzial. Der Junge konnte zu einem elenden Schuft heranwachsen, konnte sich zu einem guten und gerechten Menschen entwickeln oder sich als ein Niemand herausstellen, als leere Stelle, wie im Grunde die meisten Menschen auf dieser Welt. Alles war noch offen, wie es so schön heißt. Eine solche Aura umgibt in der Regel Kinder unter zwei, drei Jahren, während sie bei älteren kaum noch anzutreffen ist.

Womit klar war, weshalb der Ruf gerade ihm galt. Ein Leckerbissen, zweifelsohne.

Ich merkte, wie mir das Wasser im Munde zusammenlief.

Zu lange dauerte das alles schon, zu lange… Ich sah den Jungen an, blickte auf den dünnen Hals unter dem Schal und verwünschte den Chef, die Traditionen und Rituale - all das, was meine Arbeit ausmachte. Mein Zahnfleisch juckte, meine Kehle war ausgedörrt.



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