
Dessard runzelte die Stirn. »Was reden Sie da?«
»Ich dachte, Sie wären's gewesen. Wer sollte es sonst sein? Vor ein paar Minuten sah ich nach, ob alles in Ordnung ist. Die Türen waren abgeschlossen. Ich hatte den Eindruck, dass jemand drin war und einen Film laufen ließ.«
»Wir lassen nie Filme im Hafen laufen«, sagte Dessard bestimmt. »Und die Türen zum Kinosaal werden niemals abgeschlossen. Ich werde mich darum kümmern.«
Gewöhnlich wäre Claude Dessard dem Hinweis sofort nachgegangen, aber im Augenblick war er von zu vielen dringenden Angelegenheiten in Anspruch genommen, um die er sich vor der Abfahrt um zwölf Uhr noch kümmern musste. Sein Bestand an amerikanischer Währung stimmte nicht, eine der besten Suiten war aus Versehen doppelt gebucht worden, und das von Kapitän Montaigne bestellte Hochzeitsgeschenk war an ein falsches Schiff geliefert worden. Der Kapitän würde wütend sein. Des-sard hob den Kopf, um dem ihm so vertrauten Geräusch der anlaufenden vier mächtigen Schiffsturbinen zu lauschen. Er spürte die Bewegung der S. S. Bretagne, als sie vom
Pier ablegte und rückwärts in die Fahrrinne glitt. Dann vertiefte er sich wieder in seine Probleme.
Eine halbe Stunde später kam der Obersteward des Sonnendecks herein. Dessard blickte ungeduldig auf. »Ja, Leon?«
»Tut mir leid, dass ich Sie stören muss, aber ich dachte, Sie sollten es wissen…«
»Hm?« Dessard hörte nur halb hin, er war ganz auf die heikle Aufgabe konzentriert, die Sitzanordnung am Kapitänstisch für jeden Abend der Reise zu vervollständigen. Der Kapitän war kein Mann, der mit guten Umgangsformen gesegnet war, und jeden Abend mit seinen Passagieren zu essen war ihm eine Qual. Es war Dessards Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Gruppe agreable war.
»Es handelt sich um Madame Temple…« begann Leon.
Dessard legte sofort seinen Bleistift hin und sah auf, seine kleinen schwarzen Augen blickten alarmiert. »Ja?«
