
»Vor ein paar Minuten kam ich an ihrer Kabine vorbei und hörte laute Stimmen und einen Schrei. Es war durch die Tür nicht deutlich zu verstehen, aber es klang, als ob sie sagte: >Sie haben mich umgebracht! Sie haben mich umgebracht!< Ich hielt es für besser, mich nicht einzumischen, deshalb kam ich her, um es Ihnen zu sagen.«
Dessard nickte. »Das war richtig. Ich werde mich vergewissern, dass ihr nichts passiert ist.«
Dessard sah dem Decksteward nach. Es war unvorstellbar, dass jemand einer Frau wie Mme. Temple etwas antun könnte. Der Gedanke allein war eine unglaubliche Beleidigung für sein gallisches Gefühl von Ritterlichkeit. Er setzte seine Uniformmütze auf, warf einen schnellen Blick in den Wandspiegel und ging auf die Tür zu. Das Telefon läutete. Der Oberzahlmeister zögerte und hob dann ab. »Dessard.«
»Claude -« Es war die Stimme des dritten Offiziers. »Um Himmels willen, schicken Sie jemanden mit einem Schrubber in den Kinosaal hinunter, ja? Da sind überall Blutflecke.«
Dessard spürte ein plötzliches Unbehagen in der Magengrube. »Sofort«, versprach er und legte auf. Er schickte einen Steward zum Kinosaal und rief dann den Schiffsarzt an.
»Andre? Claude.« Er versuchte, seine Stimme ungezwungen klingen zu lassen. »Ich würde gern wissen, ob jemand zur ärztlichen Behandlung auf der Station gewesen ist… Nein, nein. Nicht wegen Pillen gegen Seekrankheit. Es müsste jemand sein, der geblutet hat, sogar stark… Ach so, danke.« Dessard legte mit einem zunehmenden Gefühl von Unbehagen auf. Er verließ sein Büro und ging in die Richtung von Jill Temples Appartement. Er war auf halbem Wege, als das nächste außergewöhnliche Ereignis eintrat. Als Dessard das Deck erreichte, spürte er, wie der Rhythmus des Schiffes sich änderte. Er blickte auf den Ozean hinaus und sah, dass sie das Ambrose-Feuerschiff erreicht hatten, die Stelle, wo der Pilot von Bord gehen und das Schiff in die offene See auslaufen würde. Aber statt dessen verlangsamte die Bretagne ihr Tempo und stoppte. Etwas Außergewöhnliches ging vor.
