Uniformierte Polizisten grüßten sie. Je weiter sie nach hinten kamen, desto dunkler wurde der Gang, weil die Birnen an der Decke den Geist aufgegeben hatten und sich offenbar niemand die Mühe gemacht hatte, sie auszuwechseln. Schließlich kamen sie in der Finsternis an eine Tür, die halb offen stand und den Blick in einen kleinen Raum freigab. Der glich eher einer Abstellkammer als einer menschlichen Behausung, aber enthielt immerhin ein schmales Bett und einen kleinen Schreibtisch. Auf den dreckigen Fliesen lag ein abgewetzter Bettvorleger, oben, knapp unterhalb der Decke, war ein kleines Fenster.

Der Mann saß mit dem Rücken an die Wand gelehnt im Bett. Er trug ein knallrotes Weihnachtsmannkostüm mit entsprechender Mütze, die ihm ins Gesicht gerutscht war.

Der weiße Weihnachtsmann-Rauschebart verdeckte den Rest des Gesichts. Die Schnalle des breiten Gürtels war über dem Bauch gelöst worden, und die Jacke war aufgeknöpft. Darunter trug er nichts weiter als ein weißes Unterhemd. Über dem Herzen war eine tödliche Stichwunde. Am Bauch waren noch weitere Verletzungen, aber der Stich ins Herz war der tödliche gewesen. Seine Hände wiesen ebenfalls Stichwunden auf, als hätte er versucht, den Angriff abzuwehren.

Die Hosen waren heruntergelassen. An seinem Glied hing ein Kondom.

»Morgen kommt der Weihnachtsmann«, trällerte Sigurður Óli und schaute auf die Leiche hinunter.

Elinborg brachte ihn mit einem »Psst« zum Schweigen.

Im Zimmer gab es noch einen kleinen Kleiderschrank. Der stand offen, und man sah zusammengefaltete Hosen und Pullover, gebügelte Hemden und Socken. Die Livree hing auf einem Bügel, dunkelblau mit goldenen Epauletten und glänzenden Messingknöpfen. Neben dem Schrank standen blank geputzte Lederschuhe.

Zeitungen und Zeitschriften stapelten sich auf dem Fußboden. Neben dem schmalen Bett stand ein Nachttisch mit einer Lampe. Auf dem Nachttisch lag ein Buch: A History of the Vienna Boys’ Choir.



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