
»Glaubst du, dass ein Hotel der richtige Ort für solche Menschen ist?«
»Ich? Ich weiß ni … Er war immer äußerst höflich, und es hat sich nie jemand über ihn beschwert. So gesehen.«
»So gesehen?«
»Nein, es hat sich nie jemand über ihn beschwert. Er war im Grunde genommen ganz gut in seinem Job.«
»Wo ist die Kantine, von der du gesprochen hast?«, fragte Erlendur.
»Ich bringe dich hin.« Der Hotelmanager wischte sich den Schweiß von der Stirn und war offensichtlich erleichtert, dass sie das Hotel nicht schließen wollten.
»Hat er häufig Besuch gehabt?«
»Was?«, sagte der Hotelmanager.
»Besuch«, wiederholte Erlendur. »Hier muss doch jemand bei ihm gewesen sein, den er gekannt hat. Hast du nicht den Eindruck?«
Der Hotelmanager schaute auf die Leiche, und sein Blick blieb an dem Kondom hängen.
»Ich habe keine Ahnung, was er für Freundinnen hatte.«
»Du weißt nicht gerade viel über diesen Mann«, sagte Erlendur.
»Er ist Portier hier«, sagte der Hotelmanager. Er war offensichtlich der Meinung, dass Erlendur sich mit dieser Erklärung zufrieden geben könnte.
Sie verließen den Raum. Die Leute von der Spurensicherung rückten mit ihren Geräten und Apparaten an, und ihnen folgten weitere Polizisten. Es war nicht ganz einfach, sich an dem Hotelmanager vorbeizuzwängen. Erlendur trug ihnen auf, auch den Gang und die dunkle Ecke hinter dem Zimmer genau zu untersuchen. Sigurður Óli und Elínborg blieben noch kurz in dem Raum stehen und betrachteten die Leiche.
»Also ich möchte nicht so gefunden werden«, sagte Sigurður Óli.
»Ihn juckt das doch nicht mehr«, erwiderte Elinborg.
»Nee, wahrscheinlich nicht«, sagte Sigurður Óli.
»Ist da was drin?«, fragte Elinborg und zog eine kleine Tüte mit Erdnüssen hervor. Sie hatte immer etwas zu knabbern in der Tasche. Sigurður Óli hielt das für ein Zeichen von Nervosität.
