Was unterscheidet das Gesicht eines Toten so unmissverständlich von dem eines Betrunkenen oder Schlafenden?

Ralph war tot. Brade fasste nach Neufelds Handgelenk, das merklich abgekühlt war und keinen Pulsschlag aufwies, und seine Chemikernase nahm schwache Spuren eines Geruchs nach Mandeln wahr. Brade musste schlucken und rief die drei Häuser weiter gelegene medizinische Fakultät an. Er verlangte Dr. Shulter und bekam ihn auch an den Apparat. Es gelang ihm, mit fast normaler Stimme zu sprechen. Dann verständigte er die Polizei.

Als nächstes ließ er sich mit der Institutsleitung verbinden, aber es stellte sich heraus, dass Professor Littleby seit dem Mittagessen nicht wieder zurückgekommen war, und so sagte er Littlebys Sekretärin, was geschehen war, was er inzwischen veranlasst hatte; er wies sie an, den Vorfall vorläufig geheimzuhalten. Dann ging er in sein eigenes Labor und stellte den Sauerstoff ab. Er musste den Versuch unterbrechen. Im Augenblick gab es wichtigere Dinge. Er starrte leeren Blicks den Druckmesser der großen Sauerstoffflasche an und versuchte die ihm bekannten Tatsachen auf einen Nenner zu bringen. Doch das gelang ihm nicht, und als er sich wie in der Mitte eines großen, hohlen Schweigens vorkam, ging er wieder ins Studentenlabor zurück, schloss die Tür und setzte sich hin und wartete.

Dr. Ivan Shulter von der medizinischen Fakultät klopfte leise an die Tür, und Brade ließ ihn ein. Die Untersuchung dauerte nicht lange. »Er ist seit etwa zwei Stunden tot«, sagte Shulter. »Zyanid!«

Brade nickte. »Das hatte ich mir gedacht.«

Shulter strich sich das graue Haar aus der Stirn und wandte Brade ein Gesicht zu, das offensichtlich leicht schwitzte. Seine Haut glänzte. Er sagte: »Ja, das wird einigen Ärger geben. Es musste natürlich ausgerechnet dieser Bursche hier sein.« »Kennen Sie - kannten Sie ihn?« fragte Brade.



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