
So ging es mir während des ganzen Abends und während eines Teils der Nacht.
Nur war es seltsamerweise nichts Abstraktes, nicht ein Ton ohne Körper, was mich floh, sondern ein Mensch, den ich fünf bis sechs Stunden unter den Augen gehabt, den ich mit dem Blick hatte be-fragen können, den ich mit der Hand zu berühren imstande gewesen wäre.
Diesmal gab es wenigstens keinen Zweifel für mich: Es war weder ein Traum, den ich gehabt, noch ein Gespenst, das mir erschienen: Ich war mir der Wirklichkeit sicher und erwartete den Morgen voll Ungeduld.
Schon um sieben Uhr war ich an meinem Fenster, um die Barke kommen zu sehen.
Ich erblickte sie, als sie aus dem Hafen herausfuhr, einem schwarzen Punkt ähnlich; je näher sie kam, desto deutlicher wurde ihre Form.
Anfangs sah sie aus wie ein großer Fisch, der auf der Oberfläche des Meeres schwamm; das Ungeheuer schien mit Hilfe seiner zwölf Füße auf dem Wasser zu marschieren.
Dann unterschied man die Menschen und endlich die Züge ihrer Gesichter.
Doch bis zu diesem Punkt gelangt, suchte ich vergebens Gabriel Lambert; er fehlte, und zwei andere Sträflinge hatten ihn und seinen Gefährten ersetzt.
Ich lief zum Ufer.
Die Galeerensklaven glaubten, ich hätte Eile, mich einzuschiffen, und sprangen ins Wasser, um die Kette zu bilden; doch ich gab ihrem Wächter durch ein Zeichen zu verstehen, er möge zu mir kommen, damit ich allein mit ihm sprechen könnte.
Er kam. Ich fragte ihn, warum Gabriel Lambert nicht mitgekommen wäre.
Er antwortete mir, Lambert habe vom Dienst freigesprochen zu werden verlangt, da er von einem heftigen Fieber befallen wäre, was ihm auch auf ein ärztliches Zeugnis hin bewilligt worden sei.
Während ich mit dem Aufseher sprach, über dessen Schulter ich die Barke und die Leute, mit denen sie bemannt war, sehen konnte, zog einer von den Galeerensklaven einen Brief aus der Tasche und zeigte ihn mir.
