
»Nun«, sagte ich, »mir geht es genauso.«
»Es ist wirklich zu blöd.«
»Ich dachte, du bist auch eine Anhängerin des >wir wissen, was gut für dich ist, also finde dich damit ab<!«
»Menschen müssen vor sich selbst geschützt werden«, sagte sie.
»Warum?«
Sie starrte mich an. »Es ist eben so.«
»Sicherheitsvorkehrungen sind ein Industriezweig mit Zukunft«, sagte ich bitter. »Menschen werden durch einen Haufen restriktiver Gesetze daran gehindert, alltägliche Risiken einzugehen ... trotzdem passieren Unfälle, und Terroristen haben wir auch.«
»Du bist immer noch ganz schön auf der Palme, was?«
»Ja.«
»Ich dachte, du bist drüber weg.«
»Die erste Wut hat sich vielleicht gelegt«, sagte ich. »Die Empörung bleibt.«
In meiner Rennlaufbahn hatte ich Glück gehabt, Glück auch mit meinen Pferden, und Hindernisreiten hatte mich, wie viele andere, durch alle Höhen und Tiefen zwischen Leidenschaft, Angst und höchstem Glück geführt. Wäre es nach mir gegangen, wäre ich in diesem Herbst wie gewöhnlich geschäftig von einem Rennen zum anderen gefahren, den Blick schon wie immer auf die großen Amateurrennen im Frühjahr gerichtet; denn wenn ich auch nicht der Stärkste war, was Infektionen der Atemwege anbelangte, für die ich so anfällig war wie ein Auto für Rost, so war ich doch mit zweiunddreißig körperlich so fit wie eh und je. Aber irgend jemand, irgendwo, war auf die fürsorgliche Idee gekommen, Brillenträger dürften nicht mehr in Hindernisrennen starten.
Natürlich fanden viele Leute es sowieso verrückt, mit Brille Rennen zu reiten, und wahrscheinlich hatten sie recht; aber obwohl ich ein paar Brillen kaputtgemacht und oberflächliche Schnittwunden davongetragen hatte, war meinen Augen nie etwas passiert. Außerdem waren es meine Augen, verdammt noch mal.
