Zwei ganze Gläser fand ich noch, aber die Getränke waren verschwunden. Wütend stapfte ich durch die Pendeltür in die Küche und setzte den Elektrokessel auf.

Auch hier herrschte Chaos, waren die Vorräte komplett von den Regalen gefegt. Was für Wertsachen hofften Einbrecher bloß in einer Küche zu finden? Mit fahrigen Fingern machte ich zwei Becher Tee, sah nach, ob in Reginas Gewürzschrank vielleicht Brandy war, und freute mich über Gebühr, als ich tatsächlich welchen entdeckte. Wenigstens den hatten die Schweine übersehen.

Donald saß noch immer reglos auf der Treppe. Ich drückte ihm den Becher heißer, süßer Flüssigkeit in die Hände und forderte ihn auf zu trinken. Mechanisch setzte er ihn an die Lippen.

«Sie ist freitags… nie zu Hause«, sagte er.

«Nein«, stimmte ich zu und fragte mich, wer wohl sonst noch wußte, daß hier freitags niemand war.

Langsam tranken wir unseren Tee. Dann stellte ich die beiden Becher weg und setzte mich wieder neben ihn. Die meisten Dielenmöbel waren verschwunden. Der kleine

Sheraton-Schreibtisch… der mit Nägeln beschlagene

Ledersessel… die Kutschenuhr aus dem neunzehnten

Jahrhundert…

«Herrgott, Charles«, sagte er.

Ich blickte ihm ins Gesicht. Tränen und fürchterlicher

Schmerz. Nichts, gar nichts konnte ich tun, um ihm zu helfen.

Der unbeschreibliche Abend zog sich bis Mitternacht und länger hin. Die Polizei arbeitete durchaus gründlich, war höflich und auch verständnisvoll, machte aber keinen Hehl daraus, daß sie eher dafür zuständig war, Verbrecher zu fangen, als Opfer zu trösten. Außerdem schien mir in vielen ihrer

Fragen ein leiser Argwohn mitzuschwingen, da Einbrüche auf Bestellung gutversicherter Hausherren immerhin schon vorgekommen waren und selbst die einfachsten

Betrugsmanöver bekanntlich furchtbar danebengehen konnten.

Donald merkte offenbar nichts davon. Er antwortete müde, automatisch, manchmal erst nach langem Schweigen.



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