
Simon hatte offenbar genau das getan, was man ihm beigebracht hatte: Er war in die Dunkelkammer gegangen und hatte den Film mit geschlossenen Augen eingelegt. Und das Licht dabei brennen lassen.
Er nippte an seiner rosa Erfrischung, sah die anderen verwirrt an und sagte:»Evan hat mich sämtliche Aufnahmen, die wir heute gemacht haben, als Kopierer eintragen lassen. «Er erwartete, in unseren Gesichtern Verwunderung zu lesen, und fand keine.»Na hört mal«, fuhr er auf,»wenn doch die ersten Aufnahmen so gut waren, daß man sie kopieren kann, warum hat er dann noch so viele gemacht?«
Keiner antwortete ihm außer Conrad, der ihn mitleidig ansah und meinte:»Denk mal scharf nach, Junge. Denk nach. «Aber das war von Simon zuviel verlangt.
Die Bar war ein großer, kühler Raum, mit weiß getünchten Wänden und braun gefliestem Boden, und tagsüber angenehm, (nur daß wir dann selten da waren), abends aber ungemütlich wegen der grellen Sofittenbeleuchtung, die irgendein Banause an der Decke installiert hatte. Die vier Mädchen, die lustlos vor halbleeren Gläsern mit Limonensaft, Bacardi und Soda an einem Tisch saßen, bekamen, als es draußen dunkel wurde und das Licht anging, einen Stich ins Grüne und wurden auf einen Schlag zehn Jahre älter. Conrads Tränensäcke warfen dunkle Schatten, und Simons Kinn trat einen wenig schmeichelhaften Rückzug an.
Ein weiterer langer Abend lag vor uns, genau wie die neun vorher: stundenlange Fachsimpelei und Klatsch, unterbrochen durch einen gelegentlichen Kognak, eine Zigarre und ein spanisches Abendessen. Ich hatte noch nicht einmal einen Text für den nächsten Tag zu lernen, da mein ganzer verbaler Beitrag zu Szene 624 und 625 aus wechselndem Gestöhn und Gemurmel bestand. Was war ich froh, bei Gott, was war ich froh, bald wieder nach Hause zu kommen.
