Wir setzten uns zum Essen in unseren Speiseraum, der so wenig einladend war wie die Bar. Wir setzten uns, wie es gerade kam, und ich landete zwischen Simon und der Handschellenfrau im letzten Drittel des langen Tisches. Wir waren etwa fünfundzwanzig insgesamt, alles technische Mitarbeiter außer mir und dem Schauspieler, der mir als mexikanischer Bauer zu Hilfe kommen sollte. Die Belegschaft war auf ein Minimum, unser Aufenthalt auf wenige Tage reduziert worden; die Produktion hatte die Wüstenszenen sogar, wie den übrigen Film, in Pinewood drehen wollen oder zur Not auf einem dürren Landstrich anderswo in England; doch der damalige Regisseur hatte auf dem authentischen Flirren echter Hitze bestanden — Gott schenke seiner armen Seele trotzdem Frieden.

Auf der anderen Tischseite war ein Platz frei.

Kein Evan.

«Er telefoniert«, sagte das Handschellenmädchen.»Ich glaube, das tut er schon seit wir zurückgekommen sind.«

Ich nickte. Evan rief meistens abends die Produktion an, wenn auch normalerweise nicht besonders lange. Wahrscheinlich hatte er Mühe durchzukommen.

«Ich bin froh, daß ich nach Hause kann«, meinte das Mädchen seufzend. Ihr erster Job bei Außenaufnahmen, auf den sie sich gefreut hatte, war letztlich eine Enttäuschung gewesen: eintönig, zu heiß, bierernst. Jill — ihr richtiger Name war Jill, aber Evan hatte sie bald nur noch Handschelle genannt, und die meisten vom Team hatten das übernommen — sah mich lauernd von der Seite an und fragte:»Geht’s Ihnen nicht auch so?«

«Doch«, sagte ich unverbindlich.

Conrad, der uns gegenübersaß, schnaubte laut auf:»Handschelle, meine Liebe, das gilt nicht. Wer nachhilft, fliegt raus aus der Wette.«

«Das war nicht nachgeholfen«, verteidigte sie sich.

«Aber so gut wie.«

«Wie viele von Euch sind denn an dem Pott beteiligt?«fragte ich sarkastisch.

«Alle außer Evan«, gab Conrad vergnügt zu.»Da ist auch ganz schön was zusammengekommen.«



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