
«Wie war’s mit ihr?«
«Wie immer.«
«Soll ich sie mit ins Wasser nehmen?«
«Sie war heute morgen schon mit mir drin… aber es gefällt ihr. Schadet nichts, wenn sie noch mal reingeht.«
Charlie kauerte sich neben sie.»Daddy ist wieder da, Kleines«, sagte sie. Aber Libby, unserer Kleinen, sagten Worte fast gar nichts. Ihre geistige Entwicklung hatte sich zum Schneckentempo verlangsamt, nachdem sie mit zehn
Monaten einen Schädelbruch erlitten hatte. Peter, der damals fünf war, hatte sie aus dem Kinderwagen genommen, weil er sich nützlich machen und sie zum Mittagessen ins Haus bringen wollte. Aber Charlie, die herauskam, um sie zu holen, hatte gesehen, wie er stolperte und hinfiel, und dabei war Libby mit dem Kopf auf die Steinstufe der Terrasse unserer damaligen Londoner Wohnung aufgeschlagen. Das Baby war kurz bewußtlos gewesen, doch ein, zwei Stunden darauf hatte der Arzt nichts bei ihr feststellen können.
Erst zwei oder drei Wochen später war sie krank geworden, und erst als sie sich von dieser sehr schweren Krankheit erholte, teilten die Ärzte der Klinik uns mit, da sei eine haarfeine Fraktur an der Schädelbasis gewesen, die sich infiziert und eine Hirnhautentzündung hervorgerufen habe. Wir waren so erleichtert, weil sie noch lebte, daß wir die vorsichtig formulierten Hinweise kaum zur Kenntnis nahmen.»Wir dürfen uns nicht wundern, wenn sie in der Entwicklung ein wenig hinterherhinkt. «Natürlich würde sie ein bißchen hinterherhinken, nachdem sie so krank gewesen war. Aber sie würde doch bestimmt aufholen, oder? Und wir verbannten den zweifelnden Gesichtsausdruck ebenso aus unseren Gedanken wie das unbekannte Wort» retardiert«.
Im darauffolgenden Jahr sollten wir lernen, was es bedeutet, und dadurch, daß wir uns einem solchen Schicksalsschlag stellen mußten, auch viel über uns selbst erfahren. Vor dem Unglück wäre unsere Ehe unter dem Ansturm von Wohlstand und Erfolg beinah in die Brüche gegangen; danach hatten wir das Band zwischen uns allmählich wieder gefestigt und eine viel klarere Vorstellung gewonnen von dem, was wirklich wichtig war und was nicht.
