
«Es ist nett, daß du enttäuscht dreinschaust, Edward. Du kannst mir aber wirklich helfen, weißt du. Wenn du willst.«
«Sag ihm nur wie«, warf Charlie ein,»dann tut er’s auch. Er würde alles für dich tun, Nerissa.«
Zu dem Zeitpunkt und unter diesen Umständen hatte sie recht. Das Endgültige von Nerissas Zustand brachte mir scharf zum Bewußtsein, wieviel ich ihr seit jeher zu verdanken hatte, nicht so sehr an Konkretem, sondern wegen des Gefühls, daß sie da war und sich interessierte und Anteil nahm an dem, was ich machte. In meinen mutterlosen Teenagerjahren hatte das viel bedeutet.
Sie seufzte.»Ich habe meinen Trainer da unten deshalb angeschrieben, und es scheint ihm ein großes Rätsel zu sein. Er weiß nicht, wieso meine Pferde schlecht laufen, denn alle anderen, die er trainiert, kommen gut. Aber Briefe brauchen so lange — anscheinend ist die Post heutzutage auf beiden Seiten sehr launenhaft. Und deshalb, Edward, habe ich mich gefragt, ob du vielleicht… ich meine, es ist ziemlich viel verlangt, aber könntest du vielleicht eine Woche opfern und für mich da hinunterfahren und mal nach dem Rechten sehen?«
Eine kurze Stille trat ein. Selbst Charlie beeilte sich nicht, zu sagen, daß ich selbstverständlich fahren würde, wenn auch bereits feststand, daß die Frage nur sein konnte, wie, nicht ob.
Nerissa versuchte mich zu überreden.»Denn schau mal, Edward, du verstehst doch was vom Rennsport. Du kennst den Stallbetrieb und solche Sachen. Du würdest doch sehen, ob mit ihrem Training was nicht stimmt, oder? Und dann weißt du natürlich auch so gut, wie man Ermittlungen anstellt.«
«Wie man was?«fragte ich.»Ich habe noch nie in meinem Leben Ermittlungen angestellt.«
Sie wedelte mit der Hand.»Du weißt, wie man etwas herausfindet, und läßt dich durch nichts davon abbringen.«
