«Kein Virus?«tippte ich an.

«Kann nicht sein. Sonst würden ihn doch alle bekommen, nicht nur die von Tante Nerissa. Wir haben uns nämlich darüber unterhalten. Greville hat einfach keinen Schimmer.«

«Ich würde ihn gern kennenlernen«, sagte ich beiläufig.

«Na klar. Natürlich. Aber hören Sie, warum verschwinden wir nicht aus dem Wind hier und trinken irgendwo ein Bier oder so? Jetzt hat Greville gerade einen Starter, aber nachher freut er sich sicher über unseren Besuch.«»In Ordnung«, sagte ich, und wir gingen ein Bier trinken. Danilo hatte recht: Der Südwind war kalt und der Frühling bisher nur eine Ahnung und eine Erinnerung.

Danilo, schätzte ich, war ungefähr zwanzig Jahre alt. Seine Augen waren strahlend blau, mit dunkelblonden Wimpern, und seine Zähne kalifornisch ebenmäßig. Er hatte das unberührte Aussehen eines, dem die Härten des Lebens noch nicht begegnet waren; nicht unbedingt ein verwöhnter Junge, aber einer, dem viel in den Schoß gefallen war.

Er studiere an der Universität von Kalifornien in Berkeley Politikwissenschaft, sagte er, und gehe ins letzte Jahr.»Nächsten Sommer um diese Zeit habe ich die Uni hinter mir.«

«Und was haben Sie dann vor?«fragte ich gesprächsweise.

Ein belustigtes Funkeln kam in die blauen Augen.»Oh, da muß ich mir wohl noch was überlegen, aber im Moment steht nichts an.«

Die Zukunft konnte für sich selber sorgen, dachte ich und sinnierte, daß sie es für Goldjungen wie Danilo gewöhnlich auch tat.

Wir schauten gemeinsam dem nächsten Rennen zu. Grevilles Starter kam knapp geschlagen als Dritter ein.

«Pech«, seufzte Danilo.»Ich hatte ihn nur auf Sieg, nicht auf Platz.«

«Haben Sie viel verloren?«fragte ich mitfühlend.

«Es geht. Nur ein paar Rand.«

Zwei Rand waren etwa ein Pfund Sterling, ein Rand ungefähr ein Dollar. Er konnte sich keinen großen Schaden zugefügt haben.



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