
Wir verließen die Tribüne und gingen zu den Absattelplätzen hinüber.»Wissen Sie was?«sagte er.»Sie sind überhaupt nicht so, wie ich’s erwartet habe.«
«Inwiefern?«fragte ich lächelnd.
«Oh, ich glaube… Bei einem großen Filmstar hatte ich so etwas wie, na ja, Charisma erwartet. Verstehen Sie?«
«Wenn sie nicht vor der Kamera stehen, sind Filmschauspieler so farblos wie jeder andere.«
Er warf mir einen argwöhnischen Blick zu, aber ich machte mich nicht über ihn lustig. Ich meinte es ernst. Er hatte von Natur aus viel mehr Ausstrahlung als ich. Ich mochte ein paar Zentimeter größer sein, etwas breitere Schultern haben, aber das war nicht ausschlaggebend.
Der Mann, der um das Pferd herumging, das Dritter geworden war, dabei kritisch seine Beine betrachtete und ihm mit prüfender Hand über die Lende strich, war ein stämmiger, untersetzter Mensch mit einem unzufriedenen Gesicht.
«Das ist Greville«, nickte Danilo, meinem Blick folgend.
Der Trainer unterhielt sich kurz mit einer Frau, die laut Danilo die Besitzerin des Pferdes war. Sein Benehmen wirkte aus zehn Schritt Entfernung schroff und keineswegs verbindlich. Ich wußte, daß Trainer sich ein dickes Fell zulegen mußten, um bei Verstand zu bleiben: Man konnte sich nicht immerzu bei den Besitzern entschuldigen, wenn ihre Pferde unterlagen; man mußte ihnen klarmachen, daß trotz des Hafers und des investierten Trainings die Pferde anderer Leute vielleicht eben doch schneller laufen konnten. Aber Greville Arknold schien einfach unangenehm zu sein.
Nach einiger Zeit wurden die Pferde weggeführt, und die Menschenmenge zerstreute sich. Arknold hörte mit zusammengekniffenem Mund und eigensinnig zurückge-worfenem Kopf der Besitzerin zu, die nachgerade um Entschuldigung zu bitten schien. Sie hielt inne, sah, daß er sich nicht milde stimmen ließ, zuckte die Achseln, wandte sich langsam ab und ging davon.
