
Reiseerzählungen waren ziemlich langweilig, fand ich. Das Erlebnis selbst war in jedem Fall besser.»Meistens habe ich mit Pferden gearbeitet«, sagte ich höflich.»Australien, Südamerika, in den Staaten, überall. Rennpferde, Poloponys, ziemlich viel in
Rodeos. Einmal in einem Zirkus.«
«Gütiger Himmel.«
«Es ist aber nicht mehr so einfach heute, seine Überfahrt abzuarbeiten, und es wird immer schwieriger. Zu viele Länder verbieten es. Ich werde es auch nicht mehr machen. War lange genug. Ich bin da rausgewachsen.«
«Und was jetzt?«
«Weiß nicht. «Ich zuckte die Achseln.»Mich umsehen. Ich werde mich nicht bei der Familie meiner Mutter melden, sagen Sie ihnen also nicht, daß ich hier bin.«
«Wie Sie wünschen.«
Meine Mutter stammte aus einer verarmten Jagdreiterfamilie, die schockiert war, als sie mit zwanzig einen sechsundfünfzig Jahre alten Hünen aus Yorkshire heiratete, der über ein Gebrauchtwagenimperium gebot und mit niemandem aus dem Adelskalender verwandt war. Sie hatten behauptet, es sei nur dazu gekommen, weil er ihr dauernd Pferde schenkte, doch für mich klang es immer, als habe sie sich wirklich zu ihm hingezogen gefühlt. Er jedenfalls war in sie vernarrt, wie seine Schwester, meine Tante, mir oft sagte, und hatte im Leben keinen Sinn mehr gesehen, nachdem sie, als ich zwei war, bei einem Jagdunfall den Tod gefunden hatte. Er lebte noch drei Jahre und starb an Krebs, und da die Familie meiner Mutter mich nicht haben wollte, hatte meine Tante Viv Kelsey mich unter ihre Fittiche genommen und mir mein junges Leben versüßt.
Für die unverheiratete Tante Viv war ich das langersehnte Kind, das sie nicht hatte bekommen können. Sie mußte sechzig gewesen sein, als sie mich aufnahm, doch war sie mir nie alt vorgekommen. Im Innern war sie immer jung, und ich vermißte sie entsetzlich, als sie starb.
Millingtons Stimme sagte:»Der Wagen, den Sie verfolgen… folgen Sie ihm noch?«
