
»Mach ich, Commander.« Kelly wusste, dass man ihn gerade zu gehen aufgefordert hatte, doch er ignorierte das. »Bevor Captain Rebka hier eintrifft, sollten Sie sich das hier ansehen, Sir. So bald wie möglich.«
Kelly legte einen Aktenordner auf den Tisch aus geflochtenem Schilf, der zwischen ihnen stand, setzte sich wieder und wartete. In seiner aktuellen Stimmung durfte man Max Perry nicht hetzen.
Die Decke des Raumes war transparent, sodass man freien Blick auf den bewölkten Himmel von Opal hatte. Den Standort für dieses Gebäude hatte man sorgsam ausgewählt. Er befand sich ganz in der Nähe des Mittelpunktes der Erdstoßseite, in einer Region, wo die Zirkulationstypen der Atmosphäre die Chancen auf nicht bewölkte Himmelsabschnitte maximierten. Im Augenblick war die Wolkendecke ein wenig aufgebrochen, wie es kurz vor der Abenddämmerung häufiger vorkam, und man konnte Erdstoß sehen. Weil die Oberfläche des Schwesterplaneten nur zwölftausend Kilometer vom nächstgelegenen Punkt auf Opal entfernt war, füllte die ausgedörrte Kugel mehr als fünfunddreißig Grad des Himmels wie eine riesenhafte, marmorierte Frucht, purpurgrau und überreif, die jederzeit herabzufallen drohte. Auf diese Entfernung wirkte der Planet friedlich, doch schon jetzt waren die Strukturen auf der Oberfläche des Planeten nur noch undeutlich zu erkennen, was verriet, dass sich die ersten Sandstürme zusammenbrauten.
Nur noch sechsunddreißig Tage bis zum Gezeitensturm, weniger als zwei Standardwochen. In zehn Tagen würde Perry die Evakuierung der Oberfläche von Erdstoß anordnen und diese Evakuierung dann persönlich beaufsichtigen. Bei jedem einzelnen Exodus der vergangenen sechs Jahre war Perry der Letzte gewesen, der Erdstoß verlassen hatte, und er war der Erste, der nach dem Gezeitensturm wieder zurückkehrte.
Man konnte es als Perrys Zwangsneurose bezeichnen. Und was auch immer dieser Rebka von ihm wollen mochte, Birdie Kelly wusste, dass Max Perry alles versuchen würde, damit sich an dieser seit sechs Jahren herrschenden Routine nichts änderte.
