Tote gibt es selbstverständlich überall. Ich höre nicht nur die modernen Toten. Ich nehme auch die längst Verstorbenen wahr, und selten, sehr selten, sogar das schwache Echo einer Spur, die Menschen vor Erfindung der Schrift hinterlassen haben. Aber der Kerl, mit dem ich hier in einem Vorort von Dallas Kontakt aufnahm, war noch ganz frisch. Ich lief einen Moment auf der Stelle.

Ich konnte mir nicht hundertprozentig sicher sein, bevor ich mich der Leiche näherte. Aber ich hatte so das Gefühl, dass es sich um einen Selbstmord durch Erschießen handelte. Ich ortete den Mann – er befand sich in den hinteren Räumen einer Firma namens Designated Engineering. Ich schüttelte seine innere Not von mir ab. Ich habe schließlich Übung darin. Ob ich ihn bemitleidete? Er hatte die Wahl gehabt. Wenn ich jeden bemitleiden würde, der über den Jordan gegangen ist, müsste ich wahrscheinlich andauernd heulen.

Nein, ich verschwende meine Zeit nicht an irgendwelche Gefühle. Ich überlegte, was ich tun sollte. Ich konnte ihn einfach liegen lassen und hatte das zunächst auch vor. Der Erste, der am nächsten Tag ins Büro von Designated Engineering käme, würde einen gehörigen Schrecken bekommen. Vorausgesetzt, die Angehörigen des Kerls schickten nicht die Polizei zu seiner Firma, wenn er nicht nach Hause kam.

Es kam mir brutal vor, ihn einfach so liegen zu lassen. Andererseits hatte ich keine Lust, der Polizei mühsam etwas erklären zu müssen.

Beim Auf-der-Stelle-Laufen wurde mir kalt. Ich musste mich entscheiden.

Obwohl ich mir nicht jeden Tod zu Herzen nehmen kann, mit dem ich es zu tun habe, möchte ich auch nicht unmenschlich sein.

Ich sah mich um und suchte nach einer Eingebung. Ich fand sie in den Steinen, die das fantasielose Blumenbeet am Eingang einfassten. Ich zog den größten Stein heraus, den ich gerade noch heben konnte. Nach einigen Versuchen beschloss ich, ihn einhändig zu werfen.



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