»Das ist doch nicht dein Ernst?«, sagte ich, obwohl Tolliver nie scherzte, wenn es um Familienangelegenheiten ging. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. »Du weißt, dass ich nie vorhatte, die Mädchen da wegzuholen, selbst wenn das rechtlich möglich wäre. Meinst du wirklich, wir sollten unsere Besuche auf ein Minimum beschränken? Und sie noch seltener sehen?«

»Ja«, sagte er.

»Erklär mir das bitte.«

»Wenn wir kommen – nun, dann kommen wir in sehr unregelmäßigen Abständen und bleiben nur kurz. Wir reißen sie aus ihrem gewohnten Leben, versuchen ihnen Dinge zu zeigen, die ihnen fremd sind. Wir versuchen, sie für Sachen zu interessieren, die nicht Teil ihres Alltags sind. Und dann verschwinden wir wieder und überlassen es ihren ›Eltern‹, mit den Folgen fertig zu werden.«

»Mit den Folgen fertig zu werden? Mit was für Folgen, bitteschön? Wir sind doch keine Monster oder so was!« Ich musste mich schwer beherrschen, um nicht wütend zu werden.

»Beim letzten Mal – du weißt schon, als du mit den Mädchen ins Kino gegangen bist –, hat mir Iona erzählt, dass Hank und sie für gewöhnlich eine Woche brauchen, bis die Mädchen wieder normal sind.«

»Aber …« Ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Ich schüttelte den Kopf, als könnte ich so meine Gedanken ordnen. »Sollen wir uns vielleicht ausschließlich nach Iona richten? Du bist der Bruder und ich die Schwester der Mädchen. Wir lieben sie. Sie müssen wissen, dass es in ihrer Familie auch andere Menschen als Iona und Hank gibt.« Ich wurde laut.

Tolliver setzte sich auf den Badewannenrand. »Harper, Iona und Hank ziehen sie groß. Sie hätten sie nicht bei sich aufnehmen müssen. Der Staat hätte sich um sie gekümmert, wenn sich Iona und Hank nicht angeboten hätten. Ich wette, das Gericht hätte Mariella und Gracie eher ins Heim gesteckt, als sie uns zu geben. Wir können froh sein, dass Iona und Hank den Versuch gewagt haben. Sie sind älter als die meisten mit Kindern in diesem Alter. Sie sind streng, weil sie Angst haben, dass die Mädchen so werden wie deine Mom oder mein Vater. Aber sie haben die Mädchen adoptiert. Sie sind ihre Eltern.«



17 из 267