Ich öffnete den Mund und schloss ihn gleich wieder. Es brach förmlich aus Tolliver heraus, und ich hörte Dinge, die ich noch nie zuvor gehört hatte.

»Natürlich sind sie engstirnig«, fuhr er fort. »Aber sie müssen Tag für Tag mit Gracie und Mariella zurechtkommen. Sie gehen zu den Lehrersprechstunden, sie gehen zum Direktor, sie sorgen dafür, dass die Mädchen ihre Spritzen bekommen, und sie bringen sie zum Arzt, wenn sie krank sind. Sie bestimmen, wann ins Bett gegangen und wann gelernt wird. Sie kaufen ihre Kleider. Sie zahlen für die Zahnspangen.« Er zuckte die Achseln. »Und so weiter. Wir könnten das gar nicht.«

»Was sollen wir dann deiner Meinung nach tun?« Ich verließ das Bad und setzte mich auf die Kante des ungemachten Bettes. Er kam mir nach und setzte sich neben mich. Ich legte meine Hände auf die Knie. Ich bemühte mich, nicht zu weinen. »Du willst also, dass wir unsere Schwestern im Stich lassen? Die einzige Familie, die wir noch haben?« Meinen oder Tollivers Vater zählte ich nicht mit, weil sie für mich einfach nicht dazugehörten.

Tolliver ging vor mir in die Hocke. »Vielleicht sollten wir sie an Thanksgiving und Weihnachten oder an Ostern beziehungsweise an ihren Geburtstagen besuchen … Dann, wenn man uns erwartet und wir uns rechtzeitig angekündigt haben. Maximal zweimal im Jahr. Ich finde, wir sollten mehr aufpassen, was wir in Gegenwart der Mädchen sagen. Gracie hat Iona erzählt, sie wäre deiner Meinung nach zu rigide. Nur leider hat Gracie ›frigide‹ gesagt.«

Ich versuchte, nicht zu grinsen, konnte aber nicht anders. »Na gut, in diesem Punkt hast du recht. Es ist nicht sehr nett, über diejenigen zu lästern, die sich um die Mädchen kümmern. Dabei dachte ich, ich passe auf.«

»Du hast dich bemüht«, sagte er schmunzelnd. »Es ist eher dein Gesichtsausdruck, der eine andere Sprache spricht …«



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