»Gut, ich verstehe, was du meinst. Aber ich dachte, wir könnten ihnen näherkommen, wenn wir hierher ziehen. Und ein paar Mauern zwischen Ina, Hank und uns einreißen. Wir könnten die Mädchen öfter sehen, die Situation würde sich entspannen. Vielleicht könnten die Mädchen manchmal das Wochenende bei uns verbringen. Iona und Hank wollen bestimmt auch mal allein sein.«

Tolliver reagierte darauf mit einem anderen Einwand. »Glaubst du wirklich, Iona könnte uns akzeptieren? Jetzt, wo wir zusammen sind?«

Ich verstummte. Dass wir jetzt ein Paar waren, würde meine Tante und ihren Mann schockieren, und das war noch milde ausgedrückt. Ich konnte sie sogar verstehen. Schließlich waren Tolliver und ich als Teenager zusammen aufgewachsen. Wir hatten unter einem Dach gelebt. Meine Mutter war mit seinem Vater verheiratet gewesen. Ich hatte ihn jahrelang als meinen Bruder vorgestellt. Manchmal nannte ich ihn immer noch so, aus alter Gewohnheit. Obwohl wir keine Blutsverwandten waren, hatte unsere sexuelle Beziehung für Außenstehende etwas Anstößiges. Wir wären naiv, wenn wir das nicht eingestehen würden.

»Keine Ahnung«, sagte ich aus reinem Widerspruchsgeist. »Vielleicht akzeptieren sie es einfach.« Aber ich machte mir etwas vor.

»Du machst dir etwas vor«, sagte Tolliver. »Du weißt genau, dass Hank und Iona ausflippen werden.«

Wenn Iona ausflippte, zürnte Gott. Wenn Iona etwas moralisch fragwürdig fand, war Gott derselben Meinung. Und Gott, verkörpert durch Iona, führte diesen Haushalt.

»Aber wir können doch nicht vor ihnen verheimlichen, was wir einander bedeuten«, sagte ich hilflos.

»Das müssen und werden wir auch nicht. Mal sehen, was passiert.«

Ich versuchte, das Thema zu wechseln, denn ich musste in Ruhe darüber nachdenken. »Wann besuchen wir Mark?« Mark Lang war Tollivers älterer Bruder.



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