Ich wurde als Zweite bedient und bekam einfach nur den Becher. Iona schenkte sich ebenfalls Kaffee ein und ließ sich auf den Stuhl sinken, der der Kaffeemaschine am nächsten war. Dabei sah man, dass sie wirklich sehr erschöpft war. Eine Weile sagte sie nichts. Sie schien über etwas nachzudenken. Der Tisch war rund, und in der Mitte lag ein Stapel Briefe. Ich überflog ihn unwillkürlich: die Telefonrechnung, die Rechnung für das Kabelfernsehen und ein handgeschriebener Brief, der aus seinem Umschlag hervorsah. Die Schrift kam mir unangenehm bekannt vor.

»Ich bin erledigt«, sagte Iona. »Ich habe sechs Stunden am Stück im Laden gestanden.« Sie trug ein T-Shirt, eine Baumwollhose und Turnschuhe. Sie hatte sich nie so viel aus Mode gemacht wie meine Mutter, bis die sich für gar nichts mehr interessierte außer für Drogen beziehungsweise dafür, wo sie sie als Nächstes herbekam. Eine unerwartete Sympathie für Iona wallte in mir auf.

»Das ist wirklich anstrengend«, sagte ich, aber sie hörte mir gar nicht zu.

»Da kommen die Mädchen«, sagte sie, und meine Ohren registrierten, was ihre längst gehört hatten: den Klang von Schritten vor der Garagentür.

Kurz darauf stürmten unsere Schwestern herein und ließen ihre Schulranzen an der Garderobe fallen. Sie hängten ihre Jacken an den Haken, zogen ihre Schuhe aus und stellten sie neben ihre Ranzen. Ich überlegte, wie lange Iona wohl gebraucht hatte, um ihnen das beizubringen.

Ich betrachtete meine Schwestern aufmerksam. Bei jedem Besuch hatten sie sich wieder verändert. Ich brauchte dann immer eine Weile, um alles in mich aufzunehmen. Mariella war jetzt zwölf und Gracie drei Jahre jünger.

Die Mädchen waren überrascht, uns zu sehen, aber nicht sehr. Keine Ahnung, ob Iona sie überhaupt vorgewarnt hatte. Mariella und Gracie umarmten uns pflichtbewusst, aber ohne große Begeisterung. Das wunderte mich nicht, wenn man bedenkt, wie sehr sich Iona bemüht hatte, uns in den Augen der Mädchen als nebensächlich erscheinen zu lassen, vielleicht sogar als schlechten Einfluss. Und da sie sich nicht mehr an Cameron erinnerten, waren wohl auch ihre Erinnerungen an den Wohnwagen nur noch schwach bis gar nicht mehr vorhanden.



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