
»Ich bin erledigt«, sagte Iona. »Ich habe sechs Stunden am Stück im Laden gestanden.« Sie trug ein T-Shirt, eine Baumwollhose und Turnschuhe. Sie hatte sich nie so viel aus Mode gemacht wie meine Mutter, bis die sich für gar nichts mehr interessierte außer für Drogen beziehungsweise dafür, wo sie sie als Nächstes herbekam. Eine unerwartete Sympathie für Iona wallte in mir auf.
»Das ist wirklich anstrengend«, sagte ich, aber sie hörte mir gar nicht zu.
»Da kommen die Mädchen«, sagte sie, und meine Ohren registrierten, was ihre längst gehört hatten: den Klang von Schritten vor der Garagentür.
Kurz darauf stürmten unsere Schwestern herein und ließen ihre Schulranzen an der Garderobe fallen. Sie hängten ihre Jacken an den Haken, zogen ihre Schuhe aus und stellten sie neben ihre Ranzen. Ich überlegte, wie lange Iona wohl gebraucht hatte, um ihnen das beizubringen.
Ich betrachtete meine Schwestern aufmerksam. Bei jedem Besuch hatten sie sich wieder verändert. Ich brauchte dann immer eine Weile, um alles in mich aufzunehmen. Mariella war jetzt zwölf und Gracie drei Jahre jünger.
Die Mädchen waren überrascht, uns zu sehen, aber nicht sehr. Keine Ahnung, ob Iona sie überhaupt vorgewarnt hatte. Mariella und Gracie umarmten uns pflichtbewusst, aber ohne große Begeisterung. Das wunderte mich nicht, wenn man bedenkt, wie sehr sich Iona bemüht hatte, uns in den Augen der Mädchen als nebensächlich erscheinen zu lassen, vielleicht sogar als schlechten Einfluss. Und da sie sich nicht mehr an Cameron erinnerten, waren wohl auch ihre Erinnerungen an den Wohnwagen nur noch schwach bis gar nicht mehr vorhanden.
