
Lizzie Joyce und ihre Schwester Kate hatten in der Waffenkammer gewartet. Bestimmt bezeichneten sie diesen Raum als Wohnzimmer oder so etwas, denn hier traf man sich, um fernzusehen, Brettspiele zu spielen oder zu tun, was reiche Leute sonst so mit ihrer Freizeit anfangen, wenn sie am Arsch der Welt leben. Aber für mich war es eine Waffenkammer: Gewehre und Tierköpfe, wohin man sah. Die Einrichtung war im Stil einer rustikalen Jagdhütte gehalten. Da das Haus vom Großvater der Joyces errichtet worden war, spiegelte es bestimmt seinen Geschmack wider. Aber hätte ihnen das nicht gefallen, hätten sie ihn leicht ändern können. Der Mann war nämlich schon eine ganze Weile tot.
Lizzie Joyce sah aus wie auf den Fotos, die ich von ihr gesehen hatte. Sie wirkte absolut handfest, wie eine Frau, die ihren Mann steht. Ihre Schwester Kate, genannt Katie, war eine jüngere Ausgabe von ihr, kleiner und unverbrauchter. Aber genauso selbstbewusst und durchsetzungsfähig. Vielleicht wird man automatisch so, wenn man viel Geld im Hintergrund hat.
Die Waffenkammer verfügte über Fenstertüren, die auf eine großzügige Loggia hinausführten. Dort standen Steingefäße, die im Frühling sicher bepflanzt wurden, aber noch war es nicht so weit. Nachts sank die Temperatur manchmal immer noch unter Null. Ich sah, dass die Joyces ihre Schaukelstühle den Winter über draußen gelassen hatten. Wie es sich wohl anfühlte, an einem Sommermorgen auf der überdachten Loggia zu sitzen, Kaffee zu trinken und über die eigenen Ländereien zu schauen?
Der Jeep hielt vor der sanften Steigung, die zur Hintertür führte, zwei Männer stiegen aus und betraten das Haus.
»Harper, das ist der Manager der RJ Ranch, Chip Moseley. Und das ist unser Bruder Drexell.«
Tolliver und ich gaben den Männern die Hand.
Der Manager hatte ein wettergegerbtes Gesicht, grüne, skeptisch dreinblickende Augen und braunes Haar. Auch er wäre am liebsten gleich wieder verschwunden, genau wie der Bruder. Beide waren nur gekommen, weil Lizzie das wollte. Chip Moseley gab Lizzie einen flüchtigen Kuss, und ich sah, dass er sowohl ihr Freund als auch ihr Manager war. Das könnte heikel werden.
