
Der Bruder Drexell war der Jüngste der Joyces und der Unscheinbarste. Lizzie und Katie besaßen beide eine gewisse habichtnasige Markanz, während Drexells rundes Gesicht nach wie vor sehr kindlich wirkte. Er sah mir nicht in die Augen, genau wie seine Schwestern.
Ich hatte das dumpfe Gefühl, die beiden Männer schon einmal irgendwo gesehen zu haben. Da die riesige Ranch der Joyces nicht allzu weit von Texarkana entfernt lag, wo ich aufgewachsen war, konnte ich Chip und Drexell durchaus schon einmal begegnet sein. Aber wenn ich etwas auf gar keinen Fall wollte, dann meine Vergangenheit wieder aufleben lassen. Ich war nicht immer diese mysteriöse Frau gewesen, die Leichen finden kann, weil sie vom Blitz getroffen wurde.
»Ich freue mich sehr, dass Sie kommen konnten«, sagte Lizzie.
»Meine Schwester liebt das Besondere«, behauptete Katie an Tolliver gewandt. Sie hatte eindeutig ein Auge auf ihn geworfen.
»Harper ist unvergleichlich«, erwiderte er und sah mich dabei an. Er schien sich zu amüsieren.
»Nun, ich hoffe, Sie sind Ihr Geld wert«, bemerkte Chip, dessen wettergegerbtes, anziehendes Gesicht etwas Drohendes bekam. Ich nahm ihn genauer ins Visier. Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, mich für den Mann einer anderen zu interessieren. Aber Chip Moseley hatte durchaus etwas: etwas, das meine besondere Gabe ansprach. Doch er lebte und atmete – normalerweise ein Ausschlusskriterium.
Ich arbeite nämlich mit Toten.
Seit Lizzie Joyce auf eine Webseite gestoßen war, die über meine Reisen berichtet, hatte sie anscheinend keine ruhige Minute mehr gehabt, bis ihr ein Job für mich eingefallen war.
