
Ich hatte meine Schuhe ausgezogen und musste aufpassen, wo ich hintrat. In Texas verstecken sich Dornen im Gras, auch wenn es noch so schön aussieht. Ich warf einen letzten Blick auf das Panorama aus sanften Hügeln und Bäumen. Der kleine Friedhof hätte ebenso gut auf dem Mond liegen können, so stark war der Kontrast zu den dicht besiedelten Landstrichen und wohlgeordneten Kleinstädten, die wir auf dem Weg zu unserem letzten Auftrag in North Carolina passiert hatten. Dort waren wir zwar in einem kleinen Kaff gewesen, aber ich hatte mich dort nie so isoliert gefühlt wie hier in dieser Landschaft. Man hatte stets gewusst, dass der nächste Ort nur eine kurze Autofahrt entfernt war.
Aber wenigstens war es hier nicht ganz so kalt, wir konnten davon ausgehen, dass es nicht schneien würde. Meine Füße prickelten in der kühlen Luft, aber nicht so, wie ich im eis- und nasskalten North Carolina am ganzen Körper gefroren hatte.
Die Joyces waren in der Nähe der alten Eiche bestattet worden. Ich entdeckte einen großen Felsbrocken, der auf einer Seite poliert worden war. Dort hatte man in riesigen Buchstaben den Namen Joyce eingraviert. Es hätte doch etwas zu naiv gewirkt, diesen Hinweis zu ignorieren. Ich blieb am ersten Grab dieser Familiengruft stehen, obwohl es eindeutig nicht das war, weswegen ich hier war. Aber egal, irgendwo musste ich schließlich anfangen. Auf dem Grabstein stand: Hier ruht Sarah, die geliebte Ehefrau von Paul Joyce. Ich atmete tief durch und betrat das Grab. Sofort war ich wie elektrisiert und nahm Verbindung zu den Gebeinen unter meinen Füßen auf. Sarah wartete wie alle Verstorbenen, und zwar unabhängig davon, ob sie schon lange tot oder erst seit Kurzem verstorben sind, ordnungsgemäß bestattet oder wie Müll weggeworfen wurden. Ich spürte mit meiner besonderen Gabe tief in die Erde hinab. Stellte einen Kontakt her. Hörte zu.
