
»Eine Frau um die sechzig, ein geplatztes Aneurysma«, sagte ich. Ich öffnete die Augen und betrat das nächste Grab. Dieses hier war älter, deutlich älter. »Hiram Joyce«, sagte ich. Ich stand da und versuchte, die wenigen noch verbliebenen Knochen unter meinen Füßen zu erreichen. »Eine Blutvergiftung«, sagte ich schließlich. Ich ging zu dem Grab daneben und blieb einen Moment stehen, bis mich das Summen erfasste: Das war der Ruf der Gebeine, der sterblichen Überreste. Sie wollten, dass ich erfuhr, woran sie gestorben waren, wie ihr letztes Stündlein ausgesehen hatte. Ich warf einen Blick auf den Grabstein. Man muss das Rad schließlich nicht neu erfinden.
Das hier war kein Mitglied der Familie Joyce, obwohl es in ihrer Gruft beerdigt worden war. Das Sterbedatum lag acht Jahre und ein paar Monate zurück. Die Grabinschrift lautete Mariah Parish. Obwohl ich spürte, dass sich die beiden Männer, die im kümmerlichen Schatten eines verkrüppelten Baumes warteten, plötzlich aufrichteten, war ich zu sehr darauf konzentriert, Kontakt aufzunehmen, um mir darüber Gedanken zu machen.
»Oh«, sagte ich leise. Der Wind zerzauste mein dunkles kurzes Haar und zerrte daran. »Oh, die Ärmste.«
»Wie bitte?«, fragte Lizzie, deren raue Stimme einfach nur verwirrt klang. »Das war die Pflegerin meines Großvaters. Sie hatte einen Blinddarmdurchbruch oder so was Ähnliches.«
»Sie hat viel Blut verloren, ist nach der Geburt eines Kindes gestorben«, sagte ich. Ich zählte zwei und zwei zusammen und sah zu den beiden Männern hinüber. Drexell war tatsächlich einen Schritt näher gekommen. Chip Moseley staunte, war aber auch wütend. Ob ihn die Information schockierte oder vielmehr die Tatsache, dass ich sie laut ausgesprochen hatte, wusste ich nicht. Aber egal, was in den Männern vorging – für Mariah war es zu spät. Ich wandte den Blick ab und betrat das Grab rechts davon, jenes, weswegen ich gekommen war.
