
«Ist schon gut.«
«Schreiben Sie’s meiner Überanstrengung zu.«
«Ja.«
«Ich muß los und mir diesen Film ansehen. George wird danach fragen. «Sie schlüpfte in ihren Regenmantel und ging mit unsicheren Schritten zur Tür, da ihr ganzer Körper noch vor Anspannung zitterte.»Ich hätte nicht herkommen sollen. Aber ich dachte.«
Ich sagte mit Entschiedenheit:»Ich habe zugesagt, daß ich’s versuchen will, Rosemary, und mein Wort gilt.«
«Niemand weiß, wie das ist, was ich durchmache.«
Ich folgte ihr in den Flur hinaus und hatte fast das Gefühl, als versetze ihre schrille Verzweiflung die Luft regelrecht in Schwingungen. Sie nahm die schwarze Perücke von dem kleinen Garderobentischchen und setzte sie sich auf den Kopf, wobei sie ihr eigenes braunes Haar mit wilden, unwilligen Bewegungen darunterstopfte, voll Haß auf sich selbst, auf ihre Verkleidung und auf mich — sie haßte diesen Besuch, die Lügen, die sie George auftischen mußte, die miese Heimlichkeit ihres Tuns. Sie schminkte ihre Lippen wieder dunkelrot — mit unnötigem Kraftaufwand, als attak-kiere sie sich selbst. Dann zog sie mit heftigem Ruck den Knoten des Kopftuches fest und wühlte in ihrer Handtasche nach der Brille mit den dunkel getönten Gläsern.
«Vorhin habe ich mich auf der Toilette in der U-Bahn-Station umgezogen«, sagte sie.»Das Ganze ist widerlich. Aber ich möchte nicht, daß mich jemand von hier fortgehen sieht. Da ist was im Gange, ich weiß es. Und George hat Angst.«
Sie blieb vor der Wohnungstür stehen und wartete darauf, daß ich ihr öffnete — eine schmächtige, elegante Frau, die unbedingt häßlich aussehen wollte. Es wurde mir bewußt, daß sich wohl keine Frau ohne zwingende Gründe so verhielt — Gründe, die wichtiger waren als alle Selbstachtung. Ich hatte nichts getan, um ihre Sorgen zu verringern, und das lag wohl daran, daß ich sie viel zu lange in einer ganz anderen Rolle gekannt hatte. Sie hatte immer ganz selbstverständlich das Sagen gehabt, und ich war seit meinem 16. Lebensjahr respektvoll ihren Wünschen nachgekommen. Es ging mir durch den Kopf, daß ich ihr an diesem Abend wahrscheinlich mehr gedient hätte, wenn ich sie zum Weinen gebracht, ihr Wärme, menschliche Nähe, vielleicht sogar einen Kuß gegeben hätte. Aber die Sperre war da und ließ sich so leicht nicht lösen.
