
Die Arbeit im Postamt von Crozet bescherte Harry freie Wochenenden und ein Minimum an Plackerei. Das Postamt war samstags von acht bis zwölf geöffnet. Sally Dohner und Liz Beer wechselten sich samstags ab, so daß Harry zwei volle freie Tage genoß. Ihre Bekannten nahmen ihre Arbeit mit nach Hause, rieben sich auf, schufteten bis spät in die Nacht. Harry schloß die Tür des kleinen Postgebäudes auf der Hauptstraße von Crozet ab, fuhr nach Hause und vergaß die Arbeit bis zum nächsten Morgen. Wenn sie sich aufrieb, dann für ihre Farm am Fuß des Yellow Mountain oder wegen eines Problems mit einem Freund oder einer Freundin. Oft wurde ihr mangelnder Ehrgeiz vorgehalten, und sie gab ihren Kritikern ohne weiteres recht. Ihre Kommilitoninnen vom Smith College, die soeben anfingen, in New York, Boston, Richmond und weit entfernten Städten im Mittelwesten und Westen die Karriereleiter zu erklimmen, erinnerten sie daran, daß sie beim Schulabschluß zu den oberen zehn Prozent ihrer Klasse gehört hatte. Sie fanden, daß sie ihr Leben vergeudete. Sie fand, daß sie ihr Leben von innen heraus lebte. Es war ein erfülltes Leben. Sie legte einen anderen Maßstab an als ihre ehemaligen Kommilitoninnen.
Sie besaß etwas, was sie nicht hatten: Zeit. Natürlich besaßen sie etwas, was sie nicht hatte: Geld. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie man beides haben konnte.
Doch, Marilyn>Mim< Sanburne hatte beides, aber sie hatte soviel Geld geerbt, daß sie mehr besaß als Gott. Man mußte Mim zugute halten, daß sie klug damit umging, oft, um anderen zu helfen, doch um in den Genuß ihrer Großzügigkeit zu gelangen, mußte man ihre Überheblichkeit ertragen. Little Marilyn, in Harrys Alter, die im Schatten ihrer Mutter glimmte, hatte genug von guten Werken. Eine glühende Romanze würde Vorrang vor guten Taten haben, doch Little Mim, seit einiger Zeit geschieden, konnte den Richtigen nicht finden, oder vielmehr, ihre Mutter konnte den Richtigen nicht finden.
