Harrys Lippen kräuselten sich. Sie hatte den Richtigen gefunden, der sich in den Falschen verwandelt hatte und nun wieder der Richti­ge werden wollte. Sie hatte Fair gern, wußte aber nicht, ob sie ihn jemals wieder würde lieben können.

Ein Donnern verkündete ihr, daß der Bledsoe-Butler Cup - 1600 Meter auf dem Gelände, 1000 Dollar für den Sieger - begonnen hat­te. Sosehr sie versucht war, zur Geländestrecke zu laufen und zuzu­schauen, wußte sie doch, daß sie an Ort und Stelle bleiben mußte.

»Tucker, ich hab mit offenen Augen geträumt, von der Ehe, von Männern« - sie seufzte -, »von Exgatten. Die Zeit ist mit mir davon galoppiert.«

Tucker spitzte die großen Ohren.»Fair liebt dich immer noch. Du könntest ihn noch mal ganz von vorne heiraten.«

Harry sah in die hellbraunen Augen. »Manchmal kommst du mir fast menschlich vor - als würdest du genau verstehen, was ich sage.«

»Manchmal kommst du mir fast hündisch vor.« Tucker erwiderte ihren Blick. »Aber du hast keinen Riecher, Harry.«

Harry lachte. »Bellst du mich an?«

»Ich sage dir, hör auf, so mit dem Kopf zu leben, das sage ich, ja­wohl. Warum du denkst, ich belle, ist mir unbegreiflich. Ich verstehe, was du sagst.«

Harry umarmte den stämmigen Hund und küßte das weiche Fell auf seinem Kopf. »Du bist wirklich ein ganz, ganz lieber Hund.«

Sie hörte den Rennbahnsprecher die Jockeys für das zweite Rennen aufrufen, die erste Abteilung des Marion duPont Scott Montpelier Cup, dotiert mit 10.000 Dollar, 3500 Meter über Besen für sieglose Pferde von drei Jahren aufwärts. Sie sah die Menschen über den Hü­gel laufen. Viele Rennbegeisterte, vor allem die Kenner, wollten weg von der Masse und die Pferde beobachten.

Ein nagelneuer Landrover, dessen mitternachtsblauer Lack im No­vemberlicht schimmerte, fuhr am Rand der Bahn. Harry konnte sich nicht vorstellen, wie jemand ein so teures Fahrzeug kaufen konnte. Sie sparte eisern, um den 78er Ford-Transporter zu ersetzen, der trotz seines Alters noch munter tuckerte.



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