»Habe ich jemals behauptet, ich wäre emotional reif?« Harry ver­schränkte die Arme; Tucker verfolgte aufmerksam das Gespräch.

»Nein.«

»Also.«

»Also was?«

»Also, dich konnte ich sehen. Die Techtelmechtel, die er hatte, als wir verheiratet waren, konnte ich nicht sehen. Ich war wütend auf dich für alle zusammen, nehme ich an. Ich habe nie gesagt, daß es richtig von mir war, wütend auf dich zu sein, aber das war ich nun mal.«

»Du bist es immer noch.«

»Nein, bin ich nicht.« Was halb gelogen war.

»Du hast dich jedenfalls nie bemüht, nett zu mir zu sein.«

»Ich bin höflich.«

»Harry, wir sind beide in Virginia geboren und aufgewachsen. Du weißt genau, was ich meine.« Und Boom Boom hatte recht. Man konnte korrekt, aber kühl sein. Die Virginier waren darin geübt, ein­ander mit musterhafter Eleganz zu schneiden.

»So, und da wir beide in Virginia aufgewachsen sind, verstehen wir es, Themen wie dieses zu meiden, Boom Boom. Ich habe nicht das Bedürfnis, mit dir oder sonst jemand meine Emotionen zu ergrün­den.«

»Genau!«

Harry blinzelte in das triumphierende Gesicht. »Fang jetzt bloß nicht bei mir damit an.«

»Wir müssen unserer Erziehung entwachsen. Wir müssen unsere unterdrückte Natur abwerfen oder durchbrechen. Du kannst deine Emotionen nicht in dir verschließen, sie werden an dir nagen, bis du krank wirst oder vertrocknest wie einige Leute, die ich nennen könn­te.«

»Ich bin kerngesund.«

»Du bist aber nicht mehrzwanzig. Du hältst diese Emotionen schon zu lange in dir verschlossen.«

»Jetzt hör mal zu.« Harrys Stimme triefte von Vernunft. »Was du unterdrückt nennst, nenne ich diszipliniert. Ich wanke nicht am Ran­de der Selbstzerstörung. Ich trinke nicht. Ich nehme keine Drogen. Ich rauche nicht mal. Mir gefällt mein Leben. Ich hätte vielleicht gern ein bißchen mehr Geld, aber mein Leben gefällt mir.«



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