
Oliver Quigley hatte mir öfter erzählt, daß seine Pferde vom Stall direkt nach Warren Hill hinaustraben konnten, doch bei dem Tempo, dem Sonnenschein und meiner mangelnden Vertrautheit mit der Luftansicht der Stadt hätte ich überhaupt nicht sagen können, in welchem der viereckigen Stallhöfe Caspar Harveys vierbeinige Geldanlagen standen, ganz zu schweigen von der Stute, die am Freitag starten sollte. Um dem Trainer auch wirklich eine Freude zu machen, knipste ich daher möglichst viele Höfe.
Nirgends war ein Pferd zu sehen, weder auf den gut erkennbaren Trainingsanlagen noch auf den Horsewalks, den speziell für Pferde angelegten Wegen, die die Stadt durchzogen. Irgendwo da unten gab es mehr als zwölfhundert edle Vollblüter, aber sonntags um die Mittagszeit träumten sie wahrscheinlich nur.
Kris sah auf seine Armbanduhr, schwenkte von der Stadt nach Süden und setzte gekonnt auf dem dafür vorgesehenen Grasstreifen auf, der neben dem im Hochsommer genutzten Teil der Rennbahn — dem July Course — verlief. Der Jockey Club erlaubte das nicht nur, sondern erhob zu Kris’ Leidwesen eine Gebühr dafür.
Wir rollten schnell zu einem wartenden Landrover hinüber, an dem eine junge Frau in einem ultrakurzen Rock lehnte.
«Mist«, sagte Kris heftig.
«Wieso Mist?«
«Er hat seine Tochter geschickt. Dabei hat er mir versichert, sie wäre nicht da.«
«Sie sieht doch ganz okay aus.«
Kris hatte für meine Naivität nur ein mitleidiges» Ha!«übrig, zog die Cherokee herum, brachte sie in eine gute Parkposition und stellte den Motor ab.
«Sie heißt Belladonna«, sagte er.»Ein Gift.«
Ich löste meinen Sicherheitsgurt, öffnete die Tür, stieg aus und sprang von der Tragfläche herunter. Kris kam nach dem Schaltercheck hinterher. Ich wußte nicht genau, ob das mit ihrem Namen ernst gemeint war, aber er machte uns zwanglos miteinander bekannt.»Bell, das ist Perry. Perry… Belladonna. Sag Bell zu ihr.«
