Aber kein Wetterkundler, so beschlagen, so instinktsicher er auch war, konnte den Himmel immer richtig einschätzen, und bei den Britischen Inseln mit ihren unsteten Winden, die jederzeit die Richtung ändern konnten, grenzte eine Trefferquote von fünfundachtzig Prozent schon an ein Wunder.

Kris’ frühherbstliche Depressionen verstärkten sich von Tag zu Tag, und so nahm ich seine Einladung, mit ihm zu einem Sonntagsessen nach Newmarket zu fliegen, eigentlich nur an, damit er wieder ein fröhlicheres Gesicht machte. Unser Gastgeber, versicherte mir Kris, sei auf mindestens zwanzig Gäste eingestellt, einer mehr werde also die Planung nicht über den Haufen werfen.»Und außerdem«, setzte er mit dem üblichen leichten Sarkasmus hinzu,»ist dein Gesicht dein Kapital, ob du willst oder nicht. Caspar wird von den Socken sein.«

«Caspar?«

«Caspar Harvey, er gibt das Essen.«

«Oh.«

Caspar Harvey war nicht nur einer der reichsten Farmer, die Kris kannte, sondern ihm gehörten auch drei oder vier Rennpferde, deren übernervöser Trainer mir von montags bis sonntags in den Ohren lag. Trainer Oliver Quigley, vom Temperament her ungeeignet für ein stressiges Leben, erst recht aber für den nervenzerrenden Alltag des Rennzirkus, erstarrte in Ehrfurcht vor Caspar Harvey, eine alles andere als günstige Grundlage für die Beziehung zwischen Besitzer und Trainer.

Ich kannte sie beide noch nicht persönlich und hatte auch wenig Lust, sie kennenzulernen, aber bis der Sonntag kam, stieß ich immer wieder auf Verweise wie» Caspar Harvey, die Säule des Rennsports «oder» Caspar Harveys Schlußspurt auf der Liste der siegreichen Besitzer «oder» Caspar Harvey zahlt bei den Jährlingsverkäufen mehrere Millionen Pfund für Derby-Hoffnungen«, und in dem Maße, wie meine Neugier und mein Wissen zunahmen, wuchs mein Verständnis für Quigleys schwache Nerven.



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