
Kris’ Flieger, eine einmotorige Piper Cherokee mit tiefliegenden Tragflächen, war ungefähr dreißig Jahre alt. Er machte keinen Hehl daraus, daß er bereits der vierte Besitzer war; der dritte war ein Flugverein gewesen, der die Maschine mitunter sechs Stunden am Tag beansprucht hatte, was auch Kris nicht so gut fand, die Altersflecken der rissigen Sitze störten ihn hingegen wenig.
Meine erste Reaktion auf das Uraltgeschoß vor ein paar Jahren war:»Nein danke, ich bleib lieber mal unten«, aber im echowerfenden Hangar seines Flugplatzes hatte mich Kris mit einem Mechaniker bekannt gemacht, der über den Zusammenhang zwischen losen Schrauben und plötzlichem Tod Bescheid wußte. Auf die Versicherung des Mechanikers hin, daß die Piper trotz ihres Alters bis zur letzten Niete flugtauglich sei, hatte ich mein Leben in Kris’ Hände gelegt.
Kris entpuppte sich dann als erstaunlich sicherer Pilot. Ich hatte befürchtet, er sei in der Luft so leichtfertig wie in seinem Verhalten allgemein, aber am Steuer war er konzentriert und zuverlässig, und hinterher schwebte er nicht höher als eine Radiosonde.
Viele Kollegen fanden den Umgang mit Kris schwierig und fragten mich verwundert, wie ich damit zurechtkam, daß er offensichtlich meine Gesellschaft suchte. Meistens antwortete ich wahrheitsgemäß, daß mir seine etwas schrägen Ansichten gefielen, und ließ unerwähnt, daß er während seiner Stimmungstiefs so selbstverständlich über Selbstmord redete, als ginge es um die Auswahl der Krawatte für das 8-Uhr-Wetter.
Nur Rücksicht auf seine Eltern, besonders auf seinen Vater, hielt ihn davon ab, sich wirklich vor einen Zug zu werfen (sein bevorzugter Abgang), und ich nahm an, sein Selbsthaß war schwächer und sein Wille zum Durchhalten stärker als bei Leuten, die dem Todeswunsch nachgaben.
Zur Zeit von Caspar Harveys Lunchparty hatte Kris Iron-side die makabren Neigungen einer Reihe junger Frauen überlebt, die von der Idee des Selbstmordes vorübergehend fasziniert waren, und hielt es nicht mehr für ausgeschlossen, vielleicht doch ein mittleres Alter zu erreichen.
