Sie hob das Kinn, schüttelte die dunkle Haarmähne zurück und bewegte sich vorwärts. Sie trug ein elegantes Leinenkleid, blassgelb gefärbt und am geschwungenen Ausschnitt mit Blumen bestickt — wenn es auch kein Hofkleid war, dann sicherlich das Gewand einer Jungfer von Stand. Eine Reihe dunkelbrauner Spritzer lief schräg darüber. Als sie ins Licht trat, schimmerte ihr zunächst schwarzes, zerzaustes Haar rötlich. Leuchtend braune Augen schauten auf Ingrey, sahen aber nicht zu ihm auf. Ingrey war ein kräftiger, mittelgroßer Mann; das Mädchen war hoch gewachsen und ebenso groß wie er.

Haselnussbraune Augen, die bei dieser Beleuchtung fast bernsteinfarben aussahen, mit einem schwarzen Ring um die Iris. Sie glommen nicht grün. Nicht …

Mit einem argwöhnischen Seitenblick auf Ingrey stellte Ulkra sie einander vor, so förmlich wie als Haushofmeister des Prinzen bei einer festlichen Gesellschaft. »Lady Ijada, dies ist Lord Ingrey von Wolfengrund aus dem Gefolge von Lord Hetwar, dem königlichen Siegelbewahrer. Er wird Euch in Gewahrsam nehmen. Lord Ingrey — Lady Ijada dy Castos, von Seiten ihrer Mutter her mit der Familie von Dachswall verwandt.«

Ingrey stutzte. Bei den fünf Göttern. Eine Lady Ijada, irgendeine unbedeutende Erbin der Dachswall-Sippe — das war alles gewesen, was Hetwar über sie hatte verlauten lassen. »Das ist doch ein Familienname aus Ibra.«

»Aus Chalion«, verbesserte sie ihn kühl. »Mein Vater war Kapitelherr beim Orden des Sohnes und Kommandant einer Ordensburg in den westlichen Feuchtmarschen des Weald, als ich noch ein Kind war. Er heiratete eine Wealdländerin aus der Familie von Dachswall.«

»Und sie sind … verstorben?«, riet Ingrey.

Ijada legte den Kopf schief und entgegnete mit eisiger Ironie: »Sonst wäre wohl besser für meinen Schutz gesorgt gewesen.«



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