
Sie schluckte und sammelte sich. »Als die Prinzessin ihre Reise antrat«, begann sie, »hatte sie es sehr eilig, die Residenz ihres Vaters zu erreichen. Sie nahm nur wenige Gefolgsleute mit. Unterwegs wurde sie krank. Nichts Bemerkenswertes, doch ihr monatliches Unwohlsein geht mit schrecklichen Kopfschmerzen einher, und wenn sie währenddessen nicht an einem stillen Ort ausruht, geht es ihr ziemlich schlecht. Deshalb machten wir einen Abstecher hierher, denn es war die nächste Zuflucht, und Prinzessin Fara wünschte ihren Bruder zu treffen. Ich glaube, sie erinnerte sich aus früheren Tagen an ihn, als er jünger war und weniger … schwierig.«
Wie taktvoll. Ingrey wusste nicht recht, ob die Wortwahl diplomatisch gemeint war, oder ein Beispiel für trockenen Humor darstellte. Es ist Vorsicht, befand er dann mit einem Blick auf ihren reservierten, bedachtsamen Gesichtsausdruck. Es war der Verstand, nicht der Witz, der sie die Worte wählen ließ.
»Wir wurden gut aufgenommen. Der Empfang entsprach vielleicht nicht dem, was Fara anderswo gewohnt war, aber durchaus den Möglichkeiten dieses Ortes.«
»Seid Ihr Prinz Boleso zuvor schon einmal begegnet?«
»Nein. Ich stehe erst seit einigen Monaten in Diensten von Prinzessin Fara. Eine Tante hat mich empfohlen …« Sie stockte, fuhr dann fort: »Auf den ersten Blick wirkte alles vollkommen normal. Wie man es in einem fürstlichen Jagdschloss erwarten kann. Die Tage waren ruhig, denn der Prinz lud Faras Wachen zur Jagd ein. An den Abenden aber lärmten Prinz Boleso und seine Leute und tranken sehr viel, doch die Prinzessin schloss sich ihnen nicht an, da sie in ihren Gemächern das Bett hütete. Zweimal wurde ich nach unten geschickt, um Faras Beschwerden über den Lärm auszurichten, aber keiner schenkte meinen Worten Beachtung.
Draußen im Hof, direkt unter ihrem Fenster, hetzten sie die Hunde auf einen wilden Eber, den sie gefangen hatten, und wetteten auf den Ausgang des Kampfes.
