Ingrey folgte Ulkra die kurze Treppe hinauf bis zum Hauptportal aus dicken Holzbohlen. »Was habt Ihr bisher unternommen?«

Ulkra senkte die Stimme. »Auf Anweisungen gewartet.« Besorgnis furchte sein Gesicht. Bolesos Männer waren selbst unter den günstigsten Umständen nicht für ihre Unternehmungslust bekannt. »Nun, wir haben die Leiche an einen kühlen Ort gebracht. Wir konnten sie nicht da lassen, wo sie ursprünglich lag. Und wir haben die Gefangene in Verwahrung genommen.«

In welcher Reihenfolge sollte er diese unangenehme Besichtigung beginnen? »Ich will zuerst den Leichnam sehen«, entschied Ingrey.

»Ja, Herr. Hier entlang. Wir haben eine der Speisekammern dafür ausgeräumt.«

Sie durchquerten eine voll gestellte Halle mit einem tiefen Kamin aus Naturstein, dessen Feuer bereits heruntergebrannt war. Die wenigen glühenden Kohlen, die halb aus der Asche ragten, ließen den Raum auch nicht behaglicher wirken.

Ein struppiger Jagdhund, der im Schatten neben der Feuerstelle an einem Knochen nagte, knurrte sie an. Dann ging es eine Treppe hinunter und durch eine Küche, wo Koch und Küchenjungen verstummten und sich duckten, als sie vorbeigingen, bis in einen kühlen Raum, der durch zwei schmale Fenster weit oben in den grob behauenen Wänden nur schwach ausgeleuchtet wurde.

Diese kleine Kammer war gänzlich leer geräumt, abgesehen von zwei Böcken und einigen darüber gelegten Planken, auf denen der reglose Umriss des verhüllten Leichnams auszumachen war. Unwillkürlich schlug Ingrey das heilige Zeichen, berührte mit einer Hand Stirn, Lippe, Nabel, Leiste und Herz, jeweils eine heilige Stelle für jeden der fünf Götter. Tochter-Bastard-Mutter-Vater-Sohn. Und wo wart Ihr, als das hier geschah?

Während sich Ingreys Augen an das Dämmerlicht gewöhnten, schluckte Ulkra und sagte: »Der Geheiligte König — wie hat er die Botschaft aufgenommen?«

»Schwer zu sagen«, meinte Ingrey mit diplomatischer Zurückhaltung. »Siegelbewahrer Lord Hetwar schickt mich.«



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