
Die weißen Mauern und kegelförmigen Schieferdächer der Burg verschwanden wie Traumgesichte hinter den nebelverhangenen Bäumen, und die Straße wurde für ein kurzes Stück breiter und verlief gerader. Zwei Krieger aus Ingreys eigener Schar bildeten die Nachhut. Er grüßte sie mit einem stummen Salut, und ebenso still wurde der Gruß erwidert. Dann trieb er sein Pferd vorwärts, am Wagen und seinen Bewachern vorbei. An der Spitze ritten zwei weitere von Ingreys Männern, und zwischen ihnen Lady Ijada.
Die Gefangene saß auf ihrem eigenen Pferd. Ingrey wusste nicht, ob das Tier aus den Ställen derer von Rossfluten stammte oder Ijadas Familie gehörte, doch es war ein edler, prächtiger Brauner mit gutem Körperbau und geschmeidigen Bewegungen. Er schüttelte den Kopf und schnaubte vor Energie, und seine Ohren zuckten aufgeregt. Würde sie ihrem Pferd die Hacken in die Weichen schlagen und eine Flucht querfeldein versuchen, wäre sie nicht so leicht einzuholen. Allerdings machte sie im Augenblick keinerlei Anstalten dazu. Sie saß leicht im Sattel und zog nur gelegentlich am Zügel, um das Tier davon abzuhalten, an den anderen Pferden vorbeizuziehen.
An diesem Morgen trug Lady Ijada ein Reitkleid, wie eine Adlige es zur Jagd anziehen würde, mit einer rotbraunen Jacke, die mit Kupferfäden durchwirkt war, und polierten Stiefeln, die unter dem Saum des Reitkleides blitzten. Ihr dunkles Haar war streng zurückgekämmt und mit einem gehäkelten Haarnetz im Nacken zu einem Knoten zusammengefasst. Ein dünnes Halstuch verdeckte so gerade eben die rötlichen Würgemale, die Bolesos Finger hinterlassen hatten.
