Chotas erwiderte unschuldig: »Wie könnten sie schuldig sein? Einer von ihnen ist mein Klient.« Was ihm verständnisvolles Lachen eintrug.

»Wie ist Noelle Page wirklich?«

Chotas zögerte. »Sie ist eine absolut ungewöhnliche Frau«, erwiderte er vorsichtig. »Sie ist schön und begabt« Zu seiner eigenen Überraschung entdeckte er, dass er plötzlich nicht mehr über sie sprechen wollte. Außerdem war es unmöglich, Noelle mit Worten zu fassen. Noch bis vor einigen Monaten war er sich ihrer nur undeutlich als einer bezaubernden Erscheinung bewusst gewesen, die durch die Klatschspalten huschte und die Vorderseiten von Filmmagazinen zierte. Er hatte sie nie zu Gesicht bekommen, und wenn er überhaupt an sie gedacht hatte, dann mit der gleichgültigen Verachtung, die er allen Schauspielerinnen gegenüber hegte. Nur Körper und kein Hirn. Aber wie hatte er sich da geirrt! Als er Noelle kennen lernte, hatte er sich hoffnungslos in sie verliebt. Wegen Noelle Page hatte er seine Grundregel gebrochen: sich bei einem Klienten nie emotionell zu engagieren. Chotas erinnerte sich lebhaft an den Nachmittag, an dem man an ihn herangetreten war, ihre Verteidigung zu übernehmen. Er war gerade beim Packen für eine Reise gewesen, die er und seine Frau nach New York machen wollten, wo ihre Tochter soeben ihr erstes Kind bekommen hatte. Nichts, so hatte er geglaubt, hätte ihn von dieser Reise abhalten können. Aber es hatte nur zweier Worte bedurft. Vor seinem inneren Auge sah er seinen Diener ins Schlafzimmer treten, ihm das Telefon reichen und sagen:

»Constantin Demiris.«

Die Insel war nur mit Hubschrauber und Jacht zu erreichen, und Flughafen und Privathafen wurden rund um die Uhr von bewaffneten Wachen mit dressierten Schäferhunden abpatrouilliert. Die Insel war das Privatherrschaftsgebiet von Constantin Demiris, und niemand betrat sie ohne Einladung.



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