Spräche man die Angeklagten frei, würde jeder genug Ruhm ernten. Nur etwas plagte Stavros, und er musste unaufhörlich daran denken. Beide Angeklagten waren desselben Verbrechens bezichtigt, aber Noelle Page hatte einen anderen Verteidiger. Wenn Noelle Page für unschuldig befunden wurde und Larry Douglas wurde verurteilt ... Stavros bebte und versuchte, nicht daran zu denken. Die Reporter fragten ihn immer wieder, ob er die Angeklagten für schuldig halte. Er lächelte über ihre Naivität in sich hinein. Welche Rolle spielte es, ob sie schuldig oder unschuldig waren? Sie hatten Anspruch auf die beste Verteidigung, die man für Geld bekommen konnte. In seinem Fall gab er zu, dass die Definition ein wenig überspannt war. Aber im Falle von Noelle Pages Anwalt... nun, das war etwas anderes. Napoleon Chotas hatte ihre Verteidigung übernommen, und es gab keinen glänzenderen Strafverteidiger in der Welt. Chotas hatte noch nie einen wichtigen Fall verloren. Als er darüber nachdachte, lächelte Frederick Stavros vor sich hin. Er hätte es niemandem eingestanden, aber er plante, auf Napoleon Chotas' Talent zum Sieg zu reiten.

Während Frederick Stavros in seinem schäbigen Anwaltsbüro schuftete, war Napoleon Chotas auf einer Dinner Party in einem luxuriösen Haus im eleganten Viertel Kolonaki in Athen. Chotas war ein dünner, ausgemergelt aussehender Mann mit den großen traurigen Augen eines Bluthundes in einem runzligen Gesicht. Er verbarg einen glänzenden, durchdringenden Verstand hinter einem freundlichen, leicht verwirrten Benehmen. Chotas saß da, stocherte an seinem Nachtisch herum, war in Gedanken verloren, sann über den

Prozess nach, der morgen beginnen würde. Der größte Teil der Unterhaltung an jenem Abend hatte sich um den kommenden Prozess gedreht. Die Diskussion wurde allgemein gehalten, denn die Gäste waren zu taktvoll, ihm direkte Fragen zu stellen. Aber gegen Ende des Abends, als Ouzo und Cognac reichlicher flössen, hatte die Gastgeberin gefragt: »Sagen Sie uns, halten Sie sie für schuldig?«



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