In Englisch erhielten die Schüler die Aufgabe, Captain Horatio Hornblower zu lesen. Catherine hasste das Buch. Ihre Rezension bestand nur aus einem Satz, der in Form eines Wortspiels, des Inhaltes etwa: »Er kläfft nur, aber er beißt nicht«, ein vernichtendes Urteil abgab. Sie bekam eine »Eins« dafür. Ihre Klassenkameraden fingen an, ihre Bonmots zu zitieren, und in kurzer Zeit war sie als der Schulwitzbold bekannt.

In jenem Jahr wurde Catherine vierzehn, und ihr Körper begann, Anzeichen einer reifenden Frau zu verraten. Stundenlang prüfte sie sich vor dem Spiegel, brütete darüber nach, wie sie die Katastrophe, die sie widergespiegelt sah, abwenden könnte. Im Inneren war sie Myrna Loy, die die Männer mit ihrer Schönheit verrückt machte, aber ihr Spiegel – ihr unerbittlicher Feind – zeigte hoffnungslos wuscheliges schwarzes Haar, das sich einfach nicht zähmen ließ, ernste graue Augen, einen Mund, der stündlich breiter zu werden schien, und eine leichte Stupsnase. Vielleicht war sie nicht eigentlich hässlich, sagte sie sich vorsichtig, andererseits aber würde niemand Türen einrennen, um sie als Filmstar zu verpflichten. Sie zog die Wangen ein, zwinkerte lasziv mit den Augen und versuchte, ein Fotomodell zu mimen. Deprimierend. Eine andere Pose: Augen weit aufgerissen, gespannter Gesichtsausdruck, ein breites, freundliches Lächeln. Zwecklos. Sie war auch nicht der amerikanische Typ. Sie war gar nichts. Ihr Körper würde sich gut entwickeln, nahm sie mürrisch an, aber etwas Besonderes würde er nicht werden. Und das natürlich wollte sie mehr als alles andere auf der Welt: etwas

Besonderes sein, jemand sein, an den man sich erinnerte, und nie, nie, nie sterben.



14 из 453