»Viktor Blomquists Lebensmittelgeschäft« warf einen liebe-vollen Blick auf seinen blondhaarigen Sprößling und grunzte gutmütig. Kalle steckte die Hand in die Bonbonbüchse. Das Grunzen bedeutete, daß man nehmen durfte. Dann zog er sich schnell zu Anders zurück, der auf dem Schaukelbrett unter dem Birnbaum saß und wartete.

Aber Anders hatte im Augenblick kein Interesse für die »Gestreiften«. Er starrte mit einem einfältigen Ausdruck in den Augen auf etwas in Bäckermeisters Garten. Das Etwas war Bäckermeisters Eva-Lotte. Sie saß auf ihrer Schaukel in einem rotkarier-ten Baumwollkleid. Sie schaukelte und aß eine Schnecke. Sie sang auch, denn sie war eine Dame, die viele Künste beherrschte.

»Es war einmal ein Mädchen, und die hieß Josefin, Josefin-fin-fin, Jose-jose-josefin.« Sie hatte eine klare und hübsche Stimme, die man sehr gut bis zu Anders und Kalle hin hörenkonnte. Kalle starrte sehnsüchtig auf Eva-Lotte, während er abwesend Anders einen Bonbon anbot. Anders nahm einen, ebenso abwesend, und starrte ebenso sehnsüchtig Eva-Lotte an.

Kalle seufzte. Er liebte Eva-Lotte wild. Das tat Anders auch.



Kalle hatte es sich in den Kopf gesetzt, Eva-Lotte als seine Braut heimzuführen, sobald es ihm gelungen war, genug Geld zu beschaffen, um einen Hausstand zu gründen. Das hatte Anders auch. Aber Kalle zweifelte nicht daran, daß sie ihn, Kalle, vorziehen würde! Ein Detektiv mit vielleicht so ungefähr vierzehn aufgeklärten Morden – das würde wohl etwas lauter knallen als ein Lokomotivführer! Lokomotivführer! Das war das, was Anders werden wollte.

Eva-Lotte schaukelte und sang und sah aus, als ob sie überhaupt nicht wüßte, daß sie beobachtet wurde.

»Eva-Lotte!« rief Kalle.

»Das einz’ge, was sie hatte, das war ’ne Nähmaschin, Nähmaschin-schin-schin, Nähma-Nähma-Nähmaschin«, fuhr Eva-Lotte unbekümmert fort.



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