»Eva-Lotte!« schrien Kalle und Anders gleichzeitig.

»Ach, seid ihr es?« sagte Eva-Lotte sehr erstaunt. Sie stieg von der Schaukel und ging gnädig zum Zaun, der ihren Garten von Kalles trennte. Es fehlte ein Brett – es hatte schon immer gefehlt. Eine ausgezeichnete Einrichtung, die es möglich machte, sich unbehindert durch die Öffnung hindurch zu unterhalten und auch in Bäckermeisters Garten hineinzuschlüpfen, ohne sich mit Umwegen bemühen zu müssen.

Es war Anders’ heimlicher Kummer, daß Kalle so nahe bei Eva-Lotte wohnte. Das war auf irgendeine Weise ungerecht. Er selbst wohnte weit weg in einer Straße, wo er und seine Eltern und kleinen Geschwister zusammengedrängt in einem Zimmer mit Küche über Vaters Schuhmacherwerkstatt wohnten.

»Eva-Lotte, willst du ein bißchen mit uns in die Stadt gehen?« fragte Kalle.

Eva-Lotte schluckte mit Genuß den letzten Bissen ihrer Schnecke hinunter.

»Kann ich machen«, sagte sie. Sie fegte eine Krume von ihrem Kleid weg. Und dann gingen sie los.

Es war Samstag. Friedrich mit dem Fuß war bereits betrunken und stand wie gewöhnlich vor der Gerberei mit einem Kreis von Zuhörern um sich herum. Kalle und Anders und Eva-Lotte stellten sich dazu, um Friedrich von den Heldentaten berichten zu hören, die er ausgeführt hatte, als er als Bahnarbeiter in Nordschweden gewesen war.

Während Kalle zuhörte, irrten seine Augen umher. Er hatte nicht einen Augenblick lang seine Pflicht vergessen. Nichts Verdächtiges? Nein, mußte er zugeben, nichts Verdächtiges! Doch wie oft hatte man gelesen, daß vieles, was unschuldig aussah, genau das Gegenteil davon war. Auf alle Fälle muß man auf der Hut sein! Da kam z. B. ein Mann mit einem Sack auf dem Rük-ken die Straße herauf gestiefelt.

»Nimm mal an«, sagte Kalle und puffte Anders in die Seite,

»nimm mal an, daß er den ganzen Sack voll mit gestohlenem Silber hat!«



5 из 390