
«Ich habe natürlich von Ihrer Familie gehört, Bolitho. Seefahrerrasse. Keiner von euch hat sich jemals gefürchtet, Kopf und Kragen zu riskieren. Auch jetzt brauchen wir hier draußen die besten Offiziere, die wir kriegen können.»
Er wandte sich plötzlich dem Fenster zu.»Kommen Sie her!»
Bolitho ging quer durch den Raum zu seinem Vorgesetzten und schaute auf die vor Anker liegenden Schiffe hinunter.
«Sieht ziemlich eindrucksvoll aus, nicht wahr?«Colquhoun stieß die Luft aus seinen Lungen. Es klang wie ein Seufzer.»Aber draußen auf See in alle vier Windrichtungen zerstreut sind sie nur eine Handvoll. Die Franzosen in unserem Rücken bedrohen England. Wir sind weit über unsere Sicherheitsgrenzen hinaus angespannt. «Mit einer weiten Handbewegung deutete er über den Hafen hin. Dort unten wurde eine Fregatte überholt. Stark gekrängt lag sie auf einer Seite. An ihrem Kiel wimmelte es von Arbeitern, ihre nackten Rücken glänzten im Sonnenlicht wie Mahagoni.
«Die Bacchante, sechsunddreißig Kanonen«, sagte Colquhoun sachlich.»Mein Schiff! Zum ersten Mal, seit ich das Kommando übernommen habe, kann ich die notwendigen Reparaturen unter der Wasserlinie durchführen lassen.»
Bolitho warf ihm einen raschen Blick zu. Seit seinen ersten und einzigen Erfahrungen auf der kleinen, mit achtundzwanzig Kanonen bestückten Destiny hatte er immer davon geträumt, einst eine Fregatte zu befehligen. Auf solch einem wendigen und schnellen Schiff alles außer den mächtigen Linienschiffen mit allem Schneid eines jungen Kapitäns anzugreifen! Welch eine verlockende Vorstellung.
Aber Colquhoun schien nicht in diese Rolle zu passen. Er war zart gebaut und hatte das blasse, empfindliche und gute Aussehen eines echten Aristokraten. Seine Kleidung war von hervorragendem Schnitt, und der Degen an seiner Hüfte mochte an die zweihundert Guineen wert sein.
Colquhoun hob seinen Arm.»Schauen Sie dort hin. Hinter meinem Schiff können Sie den Rest unsrer Flottille ausmachen. Mit diesen paar Schiffen soll ich Patrouillen fahren, den Feind auskundschaften, Depeschen überbringen und jedem weichlichen Kaufmann die Tränen aus den Augen wischen, wenn ein verdächtiges Segel über dem Horizont auftaucht. Fünfmal so stark sollten meine Streitkräfte sein, und selbst dann würde ich mir noch mehr wünschen.»
