Susan unterbrach sie. »Ich erinnere mich.«

»Ich weiß nicht, ob die Zeit alle Wunden heilt, oder ob man einfach bloß klüger wird. Ob man realistischer wird, was die Ansprüche an andere und sich selbst betrifft.«

»Gott, Harry, das hört sich an wie der Beginn von Reife.« Susan tat erschrocken.

»Beängstigend, nicht?« Harry stand auf. »Noch Kakao?«

»Ja, trinken wir ihn aus.« Susan erhob sich.

»Setz dich.«

»Nein, ich kann dir deine Tasse bringen. Über der Spüle schenkt sich's leichter ein.«

»Ja, schätze, du hast Recht.« Harry nahm den Tiegel und goß vor­sichtig den Kakao in Susans Tasse, dann in ihre. »Der Wetterbericht sagt, morgen wird es bis zu zehn Grad warm.«

»Davon ist noch nichts zu spüren. Ich hab nichts gegen Schnee, aber Eis raubt mir den letzten Nerv. Vor allem, wenn die Kinder mit dem Auto unterwegs sind. Ihr Reaktionsvermögen ist gut, aber sie haben noch nicht so viel Erfahrung wie wir, und ich frage mich, was sie machen, wenn sie zum ersten Mal ins Schleudern geraten. Was, wenn ihnen einer entgegenkommt?«

»Susan, sie werden ihre Erfahrungen machen und beschützen kannst du sie sowieso nicht.«

»Stimmt. Aber trotzdem.«

»Findest du es nicht erstaunlich, daß Miranda im tiefsten Winter ihre Diät eingehalten hat?« »Und dabei bäckt sie immer noch für den Laden und für ihre Freunde. Ich hatte keine Ahnung, daß sie so diszipliniert ist.«

»Da sieht man, was die Liebe alles fertig bringt.«

Miranda hatte ihren Mann vor mehr als zehn Jahren verloren. Alles in allem war es eine glückliche Ehe gewesen, und nachdem George Hogendobber das Zeitliche gesegnet hatte, hatte Miranda sich mit Essen getröstet. Es braucht lange, um zehn Jahre Trost zu beseitigen. Der Ansporn war die Wiederkehr ihres Highschool-Freundes, inzwi­schen verwitwet, der zum Ehemaligentreffen gekommen war. Die Funken flogen, und, wie Miranda es beschrieb, sieleisteten sich Gesellschaft<.



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