»Glauben Sie, daß wir die Ausgrabungsstätte von Zeit zu Zeit be­sichtigen können?« Harry beugte sich über den Schalter.

»Warum nicht?« erwiderte Mim. »Ich rufe Oliver Zeve an und fra­ge ihn, ob das in Ordnung geht. Ihr jungen Leute müßt euch unbe­dingt engagieren.«

»Was gäbe ich darum, noch mal in Ihrem Alter zu sein, Harry.« Miranda wurde wehmütig. »Dann würde mein George noch Haare haben.«

»George hatte mal Haare?« Harry mußte kichern.

»Werden Sie nicht frech«, warnte Miranda, aber ihr Tonfall drückte Zuneigung aus.

»Willst du einen Mann mit einem Kopf voll Haare? Dann nimm meinen.« Mim trommelte mit den Fingern auf den Schalter. »Alle anderen hatten ihn schon.«

»Na hör mal, Mim.«

»Ach, Miranda, ich gräme mich nicht mal mehr deswegen. All die Jahre meiner Ehe habe ich gute Miene zum bösen Spiel gemacht - jetzt ist es mir einfach egal. Ist mir zu anstrengend. Ich habe be­schlossen, für mich zu leben. Es lebe Monticello!« Damit winkte sie und ging.

»Ich muß schon sagen, ich muß schon sagen.« Miranda schüttelte den Kopf. »Was ist bloß in sie gefahren?«

»Wer ist bloß in sie gefahren?«

»Harry, das ist ungezogen.«

»Ich weiß.« Harry bemühte sich, in Mrs. Hogendobbers Gegenwart den Mund zu halten, aber manchmal entschlüpfte ihr doch eine Be­merkung. »Da muß was vorgefallen sein. Oder vielleicht ist sie schon als Kind so gewesen.«

»Sie war nie ein Kind.« Miranda senkte die Stimme. »Ihre Mutter hat sie auf eine öffentliche Schule geschickt, aber Mim wäre lieber auf Miss Porters Privatschule gegangen. Sie trug jeden Tag Klamot­ten, die so teuer waren, daß sie einen Durchschnittsmann bankrott gemacht hätten, und das war wohlgemerkt am Ende der Depression und am Beginn des Zweiten Weltkriegs. Als wir die Crozet High School besuchten, gab es zwei Klassen von Schülern. Marilyn und den Rest.«

»Sagen Sie - haben Sie eine Ahnung, was es sein könnte?«



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