
Endlich, als der Winter dem Frühling wich, hatte er Order erhalten, sich nach Spithead zu begeben und dort Passage nach Gibraltar zu nehmen. Und nun saß er in der Gig und tastete nach dem dicken Umschlag in seiner Brusttasche. Er gab ihm das unumschränkte Kommando über das himmelhohe Schiff da vorn, gegen das alles andere klein und bedeutungslos wurde. Schon vernahm er die schrillen Bootsmannspfeifen, das Tappen nackter Füße, das Klirren der Musketen — sein Schiff bereitete sich vor, ihn zu empfangen. Hatten sie schon auf ihn gewartet? Würden sie seine Ankunft mit Freude oder Unlust begrüßen?
Es war ein großer Unterschied, ob man das Kommando nach einem Kapitän übernahm, der befördert wurde oder in Pension ging, oder ob man eines toten Mannes Schuhe anzog.
Die Gig rundete den schweren Bug, und Bolitho blickte hoch zu der glänzenden Galionsfigur. Das ganze Schiff war neu gestrichen worden, und auch ihre Vergoldung sah frisch und sauber aus. Eine Kleinigkeit nur, aber sie zeigte, daß das Schiff gut instandgehalten wurde. Der Sonnengott Hyperion stieß sein Dreizack vor, und seine Krone war die aufgehende Sonne selbst. Nur die beiden starren blauen Augen unterbrachen das gleichmäßige Gold. Wie viele Feinde des Königs mochten wohl durch Gischt und Pulverqualm in dieses starre Goldantlitz geblickt und Minuten später den Tod gefunden haben?
Bolitho vernahm ein erschrecktes Stöhnen, wandte den Kopf und sah Midshipman Seton auf die turmhohen Masten mit den festgemachten Segeln starren. Angst füllte sein Gesicht, seine Hand war verkrampft wie eine Vogelklaue, als er nach dem Dollbord der Gig faßte. Ruhig fragte Bolitho:»Wie alt sind Sie, Mr. Seton?»
Der Junge riß die Augen von dem Schiff los und murmelte:»S… Sechzehn, Sir. «Ernsthaft nickte Bolitho.»Nun, ich war ungefähr ebenso alt, da kam ich auf ein Schiff, das war ziemlich genauso wie dieses hier. Und im selben Jahr wurde die Hyperion gebaut. «Ein knappes Lächeln.»Wie Sie sehen, Mr. Seton, leben wir alle beide noch.»
