Bruder Taran nickte verdrießlich.

«Ein Fluch auf Oswiu und sein Haus!» rief er verbittert aus. «Als Oswald, Oswius Bruder, König war, führte er die Northumbrier in einen Krieg gegen unser Land. Ich war damals noch ein Kind. Meinen Vater, der ein Häuptling der Gododdin war, haben sie erschlagen, und meine Mutter vor den Augen des Sterbenden niedergestochen. Ich hasse sie alle!»

Fidelma hob die Augenbrauen.

«Und doch seid Ihr ein Bruder Christi und der Nächstenliebe verpflichtet. Ihr solltet keinen Haß im Herzen tragen.»

Taran seufzte. «Ihr habt recht, Schwester. Manchmal ist unser Glauben ein strenger Zuchtmeister.»

«Und ich dachte immer», fuhr Fidelma unbeirrt fort, «Oswiu sei in Iona erzogen worden und folge der Liturgie der Kirche Columcilles? Wie kann sein Sohn dann ein Gefolgsmann Roms und ein Feind unserer Sache sein?»

«Die Northumbrier nennen den heiligen Colum-cille <Columban>», warf Schwester Gwid in besser-wisserischem Tonfall ein, «weil sie den Namen leichter aussprechen können.»

Es war Bruder Taran, der Fidelmas Frage beantwortete.

«Ich glaube, daß Alhfrith mit seinem Vater, der ein zweites Mal geheiratet hat, in Feindschaft lebt. Alhfrith fürchtet, sein Vater könnte ihn zugunsten von Ecgfrith, dem Sohn seiner zweiten Frau, enterben.»

Fidelma seufzte tief.

«Diese sächsischen Erbgesetze sind mir ohnehin ein Buch mit sieben Siegeln. Ich habe gehört, sie setzen den erstgeborenen Sohn als Erben ein, anstatt wie wir durch freie Wahl den Würdigsten der Familie zu bestimmen.»

In dem Augenblick stieß Schwester Gwid einen Schrei aus und deutete auf den fernen Horizont.



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